Lange: Droht dem Bündnis für Arbeit eine Beerdigung dritter Klasse? Wenn es nach der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen geht, dann wird es dieses Forum von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung bald nicht mehr geben, denn die Delegierten der HBV haben sich gestern mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Bündnis für Arbeit zu beenden. Die Hoffnung, gemeinsam mit der Bundesregierung auf die Arbeitgeber einwirken zu können, die hätten sich nicht erfüllt.

Gerhard Schröder, der Bundeskanzler, der das Bündnis zu seinem Ding gemacht hat, sieht das naturgemäß etwas anders. Es sei ein fairer Ausgleich zwischen divergierenden Interessen zu Stande gekommen. Einer, dessen Position möglicherweise irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt, ist jetzt am Telefon. Ich begrüße Hubertus Schmoldt, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Guten Morgen!

Schmoldt: Guten Morgen Herr Lange.

Lange: Herr Schmoldt, das letzte Treffen war im Juli. Einen Termin für die nächsten Gespräche gibt es wohl noch nicht. Hat das Interesse der Regierung und der Arbeitgeber am Bündnis für Arbeit abgenommen?

Schmoldt: Davon kann man nicht ausgehen. Es zeigt eben nur, wie schwierig ein solcher Weg ist, den wir ja versuchen, im Rahmen unserer Konsensdemokratie zwischen unterschiedlichen Beteiligten zu Verabredungen zu kommen, wie wir unsere unbestreitbaren Probleme, die wir haben, einer gemeinsamen Lösung zuführen. Ich verstehe auch die Ungeduld nicht so ganz, denn das große Beispiel in den Niederlanden hat immerhin 1982 begonnen und hat viele Jahre gebraucht, bis es dann endlich auch durchgreifend Erfolg hatte und dass es sichtlich von allen Beteiligten akzeptiert wurde.

Lange: Inwieweit teilen Sie denn die Kritik der HBV-Delegierten, die ja auch lautet, es ist ein Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit gegen die Interessen der Arbeitnehmer. Die Sparpolitik der Regierung gehe nach wie vor zu Lasten von Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und Rentnern.

Schmoldt: So etwas kann natürlich nur jemand formulieren, der geglaubt hat, dass wir im Rahmen des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit - so heißt es ja richtig, und es ist auch vernünftig, alle drei Punkte zu benennen und zu behandeln - unseren Wunschzettel abgeben und die Arbeitgeber und die Bundesregierung erfüllen das alles. Der ist natürlich enttäuscht, aber realistischerweise konnte davon niemand ausgehen.