Am 1. Januar 1998 kommen im Krankenhaus Abele Ajello von Mazara del Vallo, einem Fischerort an der sizilianischen Westküste, zwei Mädchen fast gleichzeitig zur Welt. Das eine wird um 11.00 Uhr geboren, das zweite um 11.15 Uhr. "Wir haben beide Mädchen separat in Bettchen gelegt", sagt der Direktor des Spitals, Salvatore Mazzaro, fast drei Jahre später.

Gern empfängt er uns an diesem Novembermorgen in seinem Büro, um, wie er sagt, "die vielen Missverständnisse zu klären", die entstanden sind, seit die Geschichte des fatalen Babytauschs bekannt wurde. Aus ganz Europa, aus den USA und Lateinamerika seien die Reporter angereist, hätten gefragt und gefilmt und doch "nichts begriffen". Und so zündet sich der Direttore hinter seinem Mahagonitisch eine Zigarre an und erklärt.

Erstens habe niemand das Spital am fraglichen Silvesterabend betrunken verlassen, wie verschiedentlich insinuiert wurde. Auch sei niemand am Tag darauf mit einem Kater in der Entbindungsstation erschienen. Schließlich sei das Missgeschick zwar dramatisch, aber nicht tragisch. "Sind die Kinder nicht wohlauf? Sind sie nicht gesund und munter?", fragt er in einem Ton, als ginge es um ein paar Socken, die fälschlicherweise vertauscht worden sind.

Die Kindergärtnerin deckt alles auf - aus Versehen

Erst vor zwei Monaten haben die Eltern entdeckt, dass ihr Kind zwar gesund und munter ist, aber nicht das ihrige; dass man den beiden Müttern nach den Routinekontrollen, die gleich nach der Geburt durchgeführt wurden, das Kind der anderen auf die Brust gelegt hatte; dass die beiden Babys zwar in separate Betten gelegt worden waren, aber in die falschen.

Am Anfang dieser traumatischen Entdeckung steht, als wär's eine Dreigroschenoper, wiederum ein Missverständnis - die Verwechslung wird durch eine abermalige Verwechslung aufgedeckt. Eine Stunde zu früh erscheint die Mutter an jenem Tag, es ist der vergangene 28. September, im Kindergarten. Dachte, ihre Tochter würde bereits um elf den Kindergarten verlassen. Schon will sie sich wieder auf dem Heimweg machen, da steht sie plötzlich da: ihre richtige Tochter.

Die Mutter weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das kleine Mädchen ihre Tochter ist. Und das Mädchen weiß nicht, dass die Frau, die vor ihm steht, seine Mutter ist. Die Pädagogin, erst seit kurzem im Kindergarten Gorgo rosso tätig, hat sich von der Ähnlichkeit täuschen lassen und der Mutter das "falsche" Kind geholt. "Das ist nicht meine Tochter", sagt die Frau zur Kindergärtnerin. Und doch fällt ihr sofort auf, dass da etwas nicht stimmt.