Enn, Ai, Eitsch, das ist die Zauberformel der biomedizinischen Forschung. Deutsche Forschungsfunktionäre bekommen regelmäßig glänzende Augen, wenn sie erklingt. Das Kürzel NIH steht für den Zusammenschluss von 25 amerikanischen Forschungszentren zu den National Institutes of Health. Im Jahr 2000 werden die NIH mit mehr als 40 Milliarden Mark gefördert. Von da aus wird der größte Teil des Geldes, 82 Prozent, an etwa 2000 wissenschaftliche Einrichtungen im ganzen Land verteilt. Die so koordinierte US-Gesundheitsforschung hat vor allem in den vergangenen 20 Jahren beachtliche Erfolge vorzuweisen. So sank die Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den USA seit 1977 um 36 Prozent, die Todesrate bei Schlaganfällen gar um 50 Prozent.

Solche Zahlen - finanziell wie medizinisch - können deutsche Forscher durchaus neidisch machen.

- Bund und Länder investieren hierzulande gerade einmal eine Milliarde Mark in die außeruniversitäre biomedizinische Forschung.

- Die klinischen Forscher Deutschlands haben weltweit keinen sonderlich guten Ruf. Während anderswo, auch in Europa, die Sterblichkeit bei bestimmten Erkrankungen deutlich sinkt, stagnieren hier die Zahlen.

- Die Forschungslandschaft ist zersplittert. Die in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) vereinigten ehemaligen Großforschungseinrichtungen investierten im vergangenen Jahr 524 Millionen Mark in die Biomedizin, zu 90 Prozent vom Bund finanziert, den Rest zahlen die Länder. Auch in der Leibniz-Gesellschaft (LG) wird entsprechende Forschung betrieben mit 330 Millionen Mark, von denen Bund und Länder jeweils die Hälfte zahlen. Die Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) wurden im selben Zeitraum mit 143 Millionen Mark für die Biomedizin gefördert. Die anwendungsorientierte Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) spielt in diesem Forschungsfeld keine große Rolle, Jahresetat 25 Millionen Mark.

Forschungsverbünde - die zum Teil wissenschaftlich begründete, zum Teil aber auch nur politische Konstrukte sind -, daneben unterschiedlichste Finanzierungsmodelle, widerstreitende Bund-Länder-Interessen und konkurrierende Forscher: was läge da näher, als die Anstrengungen zu bündeln? Warum nicht Ausgaben und Arbeiten koordinieren? Transparenz und Effizienz schaffen? Kurz: warum nicht deutsche NIH gründen?

Harald zur Hausen, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, tritt nun mit ebendiesem Vorschlag an die Öffentlichkeit. Endlich!, möchte man rufen, fiele sein Entwurf nicht äußerst bescheiden aus. Zur Hausen will zunächst schlicht die biomedizinischen Aktivitäten der Helmholtz-Gemeinschaft unter dem etwas sperrigen Rubrum "Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung" bündeln. Vier HGF-Institute in Berlin, Heidelberg, München und Braunschweig sollen sich auf Kerngebiete der Forschung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Allergien oder Infektionskrankheiten konzentrieren und ihre Aktivitäten abstimmen (siehe Grafik). Zu einem späteren Zeitpunkt, deutet zur Hausen vorsichtig an, könnten vielleicht die entsprechenden Leibniz-Institute und andere außeruniversitäre Einrichtungen dazustoßen.