Gerichts-Thriller

Florida Fight to the Finish oder Last Tango in Tallahassee? Wie immer der Film auch heißen wird, man darf darauf wetten, dass die Titel schon gesichert ist, Hollywoods Drehbuchartisten schon die Laptops bearbeiten. Die Saga von Albert und George ist einfach unwiderstehlich, enthält sie doch alle klassischen Elemente der filmischen Mythologie. Es geht um Macht und Missgunst, Eitelkeit und Eifersucht - um die höchsten Einsätze überhaupt. Und das Weib, um das beide insgeheim kämpfen, werden die Skribenten garantiert noch dazudichten.

Gibt es auch ein Happy End? Die erste Reaktion auf das Wahl-Debakel in Florida war schiere Schadenfreude. Amerika, das sonst gern und oft Wahlbeobachter in alle möglichen Gefilde entsendet, bekommt gerade von den üblichen Verdächtigen (Irak, Kuba, Russland) hämischen Rat oder gar Nachhilfeangebote im Fach Demokratie. Hierzulande macht das Wörtchen von der "Bananenrepublik" die Runde - just so, als kennten dessen Transporteure nicht den Unterschied zwischen San Sowieso und einem Land, das seit 213 Jahren mit ein und derselben Verfassung lebt. Denn in einer echten "Bananenrepublik" werden die Wahlzettel letztlich von den Generälen tabuliert. In Amerika aber sprechen die Gerichte das letzte Wort.

Das ist natürlich nicht der Sinn der demokratischen Sache; die Entscheidung obliegt dem Volkssouverän. Der aber hat diesmal so leise gesprochen, dass seine Worte auf die Goldwaage gelegt werden müssten. Nur kann kein Wahlsystem, das potenziell 200 Millionen Wähler abhorchen muss, mit drei, vier Stellen hinterm Komma fertig werden. Erst recht nicht das amerikanische, das in alter Tradition auf lokaler Ebene den Wahl- und Zählmodus bestimmt - und in dem Schluderei und Schummelei ebenfalls uralte Tradition sind. Umso beruhigender, dass das Land so diszipliniert der rule of law, dem Rechtsstaat, gehorcht; im Machtkampf sind Advokaten besser als Panzer. Die Lehrstunde hat das Oberste Gericht von Florida geliefert: ein hartes, aber regelhaftes Match vor den Augen der ganzen Fernsehnation.

Trotzdem muss eine andere Lektion noch umgesetzt werden, wenn entweder Al oder Double-U am 20. Januar als 43. Präsident inthronisiert worden ist. Ein zuverlässigeres Auszählsystem muss her. Und dazu eine parteiunabhängige Überwachung in den 50 Staaten (der Bund darf sich hier nicht einmischen). Dann wird CNN auch 2004 die Nacht aller Nächte zelebrieren, aber Hollywood wird sich richtigerweise gelangweilt abwenden.