Die Bergführer und auch der Summit Club, eine 100-prozentige Tochter des Deutschen Alpenvereins, sind zunächst mit einem blauen Auge davongekommen. Doch die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Sie wirft den Bergführern weiterhin "fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" vor. Nun muss das Oberlandesgericht Innsbruck entscheiden.

Das Verfahren ließ wichtige Fragen offen, insbesondere nach dem Geschäftsgebaren großer Bergreiseveranstalter, die Kunden in ihren Katalogen den ultimativen Kick versprechen und das "Restrisiko" im Kleingedruckten verstecken. Ob es sinnvoll sei, dass Leute, "die zum Teil nicht mal Ski fahren können", ins winterliche Hochgebirge gelockt würden, fragte die Richterin in der mündlichen Urteilsbegründung, ohne eine Antwort zu versuchen.

Solch grundsätzliche Fragen sind nichts für Günther Härter, den stellvertretenden Geschäftsführer des Summit Clubs. Abstriche am Programm werde es nicht geben, dafür aber eine neue Doppelseite im Katalog (Überschrift: "Ein offenes Wort unter Bergsteigern!"), die umfassend über die "Risikoverteilung" bei Bergtouren informiere. Außerdem würden die Sicherheitsstandards bei der Lawinenbeurteilung von einer internationalen Expertenrunde überprüft und gegebenenfalls angehoben. "Es steht alles groß und breit im Katalog", sagt auch Andrea Piechotta von Sport-Scheck Reisen, die unter anderem "Ski-Safaris" im Angebot haben. Wenn der Kunde unzutreffende Angaben über Kondition oder persönliches Können mache, könne ihm die Tour-Teilnahme verwehrt werden.

Neben dem Kunden und dessen hochgepuschten Erwartungen ans Bergerlebnis bleiben die Bergführer das schwächste Glied in der Kette. Sie können sich nicht mit eloquenten Editorials aus der Affäre ziehen. Sie müssen die Wünsche ihrer (teuer) zahlenden Gäste mit den kommerziellen Interessen der Reiseveranstalter und den Unwägbarkeiten der Natur in Einklang bringen. Die Grenze zwischen gerade noch angemessenem und fahrlässigem Handeln bleibt auch nach dem Prozess schwer zu ziehen. In Zukunft sollten die Alpin-Profis ihren mit den Hufen scharrenden Gästen auf der Hütte wohl öfter als bisher einen außerplanmäßigen Tag Lawinenkunde anbieten.

Und sie sollten sich auch der Möglichkeit einer déformation professionelle bewusst werden. Denn jahrelange Erfahrung könne entgegen gängigen Vorstellungen auch "abstumpfen und anmaßend machen", sagt Heide Schreiber. Ihre Mutter hatte zusammen mit dem Vater an der Unglückstour teilgenommen und war verschüttet worden, konnte aber aus den Schneemassen befreit werden. Der Vater starb. Die Familie hat den Summit Club auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt.