Er kam 1963 als politischer Redakteur zur ZEIT. Das Feld, das er als Journalist seit jenen Jahren "beackerte", reichte von Vietnam bis zur RAF, von dem in Spandau einsitzenden Heß bis zum Streit um die Atomkraft, von der Suche nach dem Bernsteinzimmer bis zum Reichstagsbrand, vom Kennedy-Mord bis zur Deutschen Einheit; diese war ihm immer eine ganz besondere Herzensangelegenheit. Karl-Heinz Janßen schrieb große Serien über den Tag der Machtergreifung 1933 oder die Revolution von 1848/49. Er betreute eine Zeit lang dieThemen der Zeit, gewann als Redakteur des Politischen Buches namhafte Mitarbeiter fürs Blatt, griff als Chef des Dossiers in viele Debatten ein und machte schließlich die Zeitläufte zu einem Herzstück der ZEIT.

Janßen, geboren am 17. November 1930 im ostfriesischen Carolinensiel, studierte bei Gerhard Ritter in Freiburg und promovierte über die Kriegsziele der deutschen Bundesstaaten 1914-18. Neben seiner journalistischen Arbeit veröffentlichte er viele wichtige Bücher, zum Beispiel über Bethmann-Hollweg und Falkenhayn und über die Blomberg-Fritsch-Krise. Im vergangenen Jahr erschien (in Zusammenarbeit mit Carl Dirks) bei Propyläen das Buch über den Krieg der Generäle - Hitler als Werkzeug der Wehrmacht.

Diese Arbeit insbesondere zeigt die verhängnisvolle Kontinuität von der Reichswehr zur Wehrmacht auf, ein Thema, das von jüngeren Historikern heute mehr und mehr erschlossen wird. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten lässt Janßen sich von dem leiten, was er einst selbst in einer Rezension der amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman ans Herz legte: "Einem Journalisten mag es erlaubt sein, unter bestimmten Voraussetzungen Tatsachen ein wenig auszuschmücken oder zu verschönern, damit sie sich leichter und fließender lesen - einem Wissenschaftler hingegen darf man es nicht nachsehen."