In den Morgenstunden des 25. November 1970, gekleidet in eine theatralische Fantasieuniform und begleitet von vier Kadetten seiner theatralischen Fantasieprivatarmee, nahm er den Kommandanten der japanischen Zivilverteidigung gefangen. Er befahl, die Soldaten des 32. Regiments sollten im Hof der Kaserne Aufstellung nehmen. Er erschien - sein Freund Morita hatte ein Transparent mit prokaiserlichen Losungen entrollt - Punkt 12 Uhr mittags auf dem Balkon zu einer Ansprache, von der im Gegröle der Soldaten nur Wortfetzen wie "Steht auf und sterbt!", "Wir haben lange genug gewartet!" zu verstehen waren. Er versuchte, das Stimmengewirr mit dem dreifachen "Tenno Heika banzai!" - "Lang lebe der Kaiser!" - zu übertönen. Er verfiel in Schweigen wie die Menge im Hof. Er verließ den Balkon, er trat ins Zimmer, er sagte: "Sie haben mir nicht einmal zugehört", er setzte sich auf den Boden, knöpfte seine Uniformjacke auf, nahm das Magoroku-Kurzschwert, stach es in seine linke Seite, zog langsam die Klinge quer durch den Körper nach rechts.
L I T E R A T U R : Sterben ist Kultur
Porträt des japanischen Exzentrikers, Selbstmörders und Dichters
Yukio Mishima