In den Morgenstunden des 25. November 1970, gekleidet in eine theatralische Fantasieuniform und begleitet von vier Kadetten seiner theatralischen Fantasieprivatarmee, nahm er den Kommandanten der japanischen Zivilverteidigung gefangen. Er befahl, die Soldaten des 32. Regiments sollten im Hof der Kaserne Aufstellung nehmen. Er erschien - sein Freund Morita hatte ein Transparent mit prokaiserlichen Losungen entrollt - Punkt 12 Uhr mittags auf dem Balkon zu einer Ansprache, von der im Gegröle der Soldaten nur Wortfetzen wie "Steht auf und sterbt!", "Wir haben lange genug gewartet!" zu verstehen waren. Er versuchte, das Stimmengewirr mit dem dreifachen "Tenno Heika banzai!" - "Lang lebe der Kaiser!" - zu übertönen. Er verfiel in Schweigen wie die Menge im Hof. Er verließ den Balkon, er trat ins Zimmer, er sagte: "Sie haben mir nicht einmal zugehört", er setzte sich auf den Boden, knöpfte seine Uniformjacke auf, nahm das Magoroku-Kurzschwert, stach es in seine linke Seite, zog langsam die Klinge quer durch den Körper nach rechts.

Seine bevorzugte Tonfolge heißt Schönheit-Liebe-Tod

Yukio Mishima, Japans berühmtester Dichter der Neuzeit, 45 Jahre alt, hatte Seppuku begangen. Nachdem sein Liebhaber Morita nur den Nacken durchtrennt hatte, schlug einer seiner Kadetten ihm den Kopf ab, dann den Moritas, mit einem einzigen Schwerthieb. Ein Leben der Exzesse hatte im erwählten Exzess geendet. "Sie hätten rote Rosen für ein Fest mitbringen sollen", sagte seine Mutter bei der Beerdigung, "zum ersten Mal in seinem Leben hat er getan, was er dringlich und immer tun wollte. Seien Sie glücklich für ihn." Seinem amerikanischen Freund Donald Keen erzählte er bereits Anfang 1970 vom Besuch eines Oberschülers, der sich - Das Pferd, das durchging war soeben erschienen - von dem gefeierten Schriftsteller nicht abweisen ließ. "Ich sagte zu ihm: ,Meine Zeit ist sehr knapp bemessen, und ich kann Ihnen nur eine Frage beantworten. Irgendeine.' Der Junge schwieg daraufhin eine Weile; dann sah er mir fest in die Augen und fragte: ,Wann werden Sie sich das Leben nehmen?'" Und getreu dem lebenslangen Hang zur zeremoniösen Selbstinszenierung des Oscar-Wilde-Bewunderers hatte Mishima vier Monate vor seinem Selbstmord den befreundeten Redakteur der größten Fernsehstation zu einem erlesenen Abendessen geladen und zu dessen Irritation gefragt, ob sein Tod wohl als Hauptabendnachricht kommen würde; der Versicherung des Journalisten setzte er nach: "Wenn ich Seppuku beginge, würden Sie das live filmen und senden?"

Mishima hatte, ähnlich seinem narzisstischen Osamu im Roman Kyokos Haus die Grenze zwischen Tod als coup de théâtre und Tod als Realität verwischt; nein: Er hatte sie überschritten. Das eben ist das Faszinierende, Grausige und oft auch Neckisch-Geschminkte seines Werks.

Er ist ein verzärtelter, blasser, ewig kranker, mit einer Tuberkulose kämpfender Knabe (wie später viele seiner Romanfiguren noch bis zum Abschlusswerk, dem von der Kritik hingerichteten Das Meer der Fruchtbarkeit, dessen schwächlicher Kiyoki durchaus Ebenbild seines Autors ist). Der Junge versenkt sich zur Empörung des Vaters in das Fantasie-Düster künstlicher Dome, deren Säulenheilige Rilke und Radiguet, Gide, Oscar Wilde und Thomas Mann heißen. Erst spät sollte der Vater mit dem Satz: "Wenn du schon Romancier werden willst, dann bitte der allererste Japans" aufgeben; Mishimas Antwort: "Das werde ich", ist überliefert.

Dem Jugendlichen riss Vater Azusa die Bücher aus der Hand, zerfetzte sie und warf sie aus dem Fenster des europäisch gebauten Hauses; eine tränenüberströmte, doch traditionell schweigende Mutter hatte nicht mehr als ein Streicheln und eine Tasse Tee. Doch in stummer Resistenz ließ sich der Literatursüchtige aus seinen Domen nicht verjagen. Auf der hoch vornehmen, 1870 für Kinder der kaiserlichen Familie und der Aristokratie gegründeten Schule Gakushu-in, die Mishima seit 1931 besuchte, wagte er sich sogar trotz seiner Schüchternheit im ihm unangemessenen Milieu mit Proben seiner Gedichte hervor.

Er selbst wählt das Pseudonym Mishima nach den "drei Inseln", von denen man den schneebedeckten Fudschijama sehen kann, sein Japanischlehrer Shimizu rät zu dem Vornamen Yukio, abgeleitete von Yuki = Schnee. Nach einer ersten Erzählung debütiert Mishima, er ist 24 Jahre alt, mit dem strikt autobiografischen Roman Geständnis einer Maske - ein Sensationserfolg. Frühere Prosa, oft in entlegenen, wenn auch renommierten Zeitschriften publiziert, war weitgehend unbeachtet geblieben; in ihnen war allerdings Mishimas Lebensthema bereits angeklungen, so, als kennte er Platens elegisches Wer die Schönheit angeschaut ... Tatsächlich hatte einer der einflussreichsten Kritiker dieser Zeit, Zenmai Hasuda, mit seinem Satz "Sterben heißt Kultur haben" gleichsam einen ästhetischen Befehl erteilt. Zumindest der von Mishima so bewunderte Raymond Radiguet schien diesem Befehl gefolgt zu sein; mit 20 Jahren, nach Beendigung des Romans, starb er 1923 an Typhus. Doch selbst in all den frühen Arbeiten - Die Diebe oder Der blühende Wald - lässt Mishima, ähnlich einem Pianisten, der sein Leitmotiv anspielt, die zeitlebens ihn beherrschende Tonfolge Schönheit-Liebe-Tod durchscheinen; mal steht Akihide in Die Diebe am Meer und erkennt, dass seine Sehnsucht nach Yoshiko sich "auf wunderbare Weise verwandelt in Todessehnsucht", und mal endet es im gemeinsamen Tod der Liebenden.

Und dann erscheint 1949 Geständnis einer Maske. Der schmale Roman ist sein Werther, sein Coming-out (um im heutigen Sprachgebrauch zu bleiben), seine Geburt als Schriftsteller von ganz unerhört explosiver Rigidität wie sezierender Kälte. Er wollte seinen ästhetischen Nihilismus entlarven. Was er enthüllte, war seine Homosexualität. Was nun begann, war eine der rasendsten Selbstverwirklichungsgeschichten - und das heißt in Mishimas Fall: Selbstzerstörungsorgien der modernen Literatur.

Mit poetischer Akribie entwirft Mishima in dem Buch, das man wegen seiner autobiografischen Authentizität kaum Roman nennen mag, den Magnetismus, der von männlichen Körpern, von Achselhaar, Muskeln, schweißglänzender Haut ausgeht, spricht durch die mühsam aufgesetzte Maske, mit deren Hilfe er sich zur Liebe ohne Begehr zwingt: der Liebe zu einem Mädchen. Das Buch ist eine schwarze Messe, Zeremonie von Lust aus Qual und Quälen, ein Gesang in der Tradition Walt Whitmans von der Schönheit zum Tode hin, Sehnsucht und Sucht zugleich. Was dann Basso continuo seines gesamten Werks werden sollte; seines Lebens, dessen schwarze Räusche und blutrünstige Fantasien er gleichsam aufschrieb in Romanen, Gedichten, No-Spielen: Das ist, einem Notenschlüssel gleich, alles bereits in dem furiosen Erstling angelegt. Der erschließt die Kadenzen einer hymnisch flackernden Gregorianik.

Yukio Mishima war nun ein Star. Seine Bücher wurden Bestseller, wurden verfilmt, wurden als Fortsetzung in auflagenstarken Zeitungen abgedruckt. Er war reich. Er führte ein so extrovertiertes wie extravagantes Leben, trat in den Verfilmungen seiner Bücher auf. Anfang der sechziger Jahre - Mishima verdiente inzwischen die damals fabulöse Summe von 75 000 Dollar pro Jahr -, nach dem literarischen Misserfolg seines Romans Kyokos Haus, der aber aufgewogen wurde durch die enorme Popularität vieler anderer Bücher - bald stand sein Name auf 140 Buchtiteln -, bestand er darauf, einen Gangster zu spielen, wischte die Bedenken des Regisseurs, "Glauben Sie, dass Sie das Gesicht eines Filmstars haben?", mit einem "Ohne Frage" beiseite und zeigte auf sein so stolz gepflegtes Brusthaar. Eine Woche später berichteten die Zeitungen in Balkenüberschriften: "Mishima spielt einen behaarten Banditen. Mishima, die Pistole in der Hand, protzt mit seinem Brusthaar". Und wie zuvor vermengten sich Artist und Kunstfigur: Mishima kleidete sich wie ein Filmstar, trug auch nachts Sonnenbrillen, ließ sich in Marlon-Brando-Pose fotografieren und fütterte seine Interviewer mit frisch eingegangener Fan-Post.

Er bestreut seine Figuren mit Brusthaar und Puderzucker

Er verstreute sein Geld in der Homosexuellenszene Tokyos, holte sich zur Verblüffung seiner Begleiter bei einer USA-Reise jeden Nachmittag 17-jährige Burschen aus den Parks von San Francisco, ließ Aktfotos von sich verbreiten, die einen durch extensiv betriebenes Bodybuilding kräftig-muskulösen Mann mit wilder Körperbehaarung zeigten; also einen Mann, wie Mishima ihn immer und immer wieder als Ideal maskuliner Schönheit porträtierte. Er war sein eigenes ästhetisches Idol geworden, hatte sich selbst erschaffen - das Bildnis des Dorian Grayund Mr. Dorian Gray in einem.

Er trank den Ruhm aus einem Schierlingsbecher. Während schon in den sechziger Jahren seine literarische Reputation sank - selbst ein so perfekt gebauter Roman wie Der Seemann, der die See verriet oder der von ihm bevorzugte Nach dem Bankett wurden von der Kritik abgewertet -, gefiel er sich in vielen mondänen Posen; so als Gastgeber von (damals in Japan unüblicher) europäischer Eleganz in seinem luxuriösen Haus. Als wolle er das lateinische persona, das auch Maske heißt, in Leben und Werk raffiniert variieren, versuchte er, die Maske zu sein. Zu diesem Vexierspiel gehörte nicht nur die mondäne Attitüde, mit der er die Chefredakteure von Time oder New York Times wie ein Kulturminister in Tokyo empfing und in teuersten Etablissements bewirtete, sondern auch eine Art literarischer Spagat - er sah sich als Bewahrer und Erneuerer japanischer Tradition, und er band unendliche Einflüsse des europäischen Geisteslebens in seine Texte ein. Nicht nur in Geständnis einer Maske wird von Magnus Hirschfeld und Marcel Proust, den Brüdern Grimm und de la Motte Fouqué, von Stefan Zweig und Andersen so beiläufig gesprochen, als sei derlei selbstverständlicher Kanon des japanischen Lesers.

Wir sehen einen Schriftsteller, der mit eiserner Disziplin täglich fünf Stunden am Schreibtisch eine Welt erfindet - und der abends der Gesellschaftswelt seine Reverenz erweist, und sei es, indem er auf einem Empfang der britischen Botschaft dem Ehrengast, Dame Margot Fonteyn, im maßgeschneiderten Smoking zwölf riesige weiße Orchideen überreicht. Der Künstler Mishima hat den Spagat nicht immer bewältigt. Er hat der Welt aufgewartet - genau beobachtet hat er offensichtlich nur sich. Sein großartiger Biograf John Nathan, dem viele Details dieses Essays zu danken sind, spricht von einer Mauer aus Eis, die ihn von der Umwelt isolierte. Faust Yukio war sein eigener Mephisto Mishima. Nicht ein anderer bot ihm den teuflischen Pakt; er schloss ihn allein mit sich selbst. Als experimentiere da jemand mit Drogen und beobachte sich haargenau dabei, so legte er jede Tränenwimper unter das Mikroskop, fotografierte das Präparat; und siehe: Es war Kunst.

Nicht immer. Ebendiese Introspektion macht so manche seiner Texte sentimental, schwächlich, dekorativ. Die bebende männliche Brust, selbstverständlich immer dicht behaart; die gewaltige Leidenschaft voll ozeanischer Dünung; die sinnlichen Schultern und die betörende Süße ihrer Nähe - in leichtsinniger Unachtsamkeit scheut Mishima keine Puderzuckerwolke, um seine Figuren zierlich zu überstäuben. Sein erotisches Sensorium ist auf den männlichen Körper - tickhaft zumeist auf das Haar - fixiert und auf die Psyche des Mannes. Dessen Einsamkeit, Versunkenheit, dunkle Sehnsucht oder auch bambusbiegsame Verlogenheit umspannt sein Zirkel. Und Landschaft. Die ist da, sie will nichts, sie fordert nicht, ist Größe oder Gefahr per se; eine Landschaft kann nicht Partner sein. Mishimas Landschaftsbilder haben die pastellene Schönheit von Hokusai-Zeichnungen: "Mit zunehmender Dunkelheit setzte der Gesang der Baumzikaden ein, in den hier und da noch stehengebliebenen Pfützen spiegelte sich verlöschendes Abendlicht. In den Reisfeldern rechts und links spielte eine feuchte Brise. Dunklen Wogen gleich stand auf den Feldern mit gebeugten Ähren die Frucht. Ohne den kornsatten Schimmer des Mittags glich sie einer unüberschaubaren Masse bewußtloser Pflanzenleiber." Wenn er dagegen Menschen miteinander in Beziehung zu setzen versucht, misslingt es in der Regel.

Die Wirklichkeit interessierte den Autor, der schon 1955 von sich sagte: "Es ist erschreckend, wie sehr die äußere Welt aufgehört hat, mich zu beschäftigen", überhaupt nicht. Deshalb wurde der jetzt erschienene Roman Liebesdurst ein kleines Meisterwerk, ein erotischer Krimi, eine Legende von Gier und Mord. Es geht nicht um Leidenschaft, sondern um Verfallenheit, ein epischer Gegenentwurf zum existenzialistischen Gedanken, der Mensch sei frei in Wahl und Entscheidung. Diese Etsuko, Witwe und lustlose Beilägerin ihres sie knöchrig befingernden Schwiegervaters, hatte in ihrem Fatum so wenig Wahl wie das Wasser, das stets nach unten rinnt - da ihr Schoß den jungen Bauernburschen nicht in ihre imaginäre Herrlichkeit retten konnte, musste er gerichtet werden.

Ein anderes Mal also variiert Mishima sein Leitmotiv von Verlangen und Verlöschen. Es ist die Hymne, über der er seine Blutfahne hisst, so andächtig wie hoheitsvoll. Als er im Dezember 1966 zwei junge Leute kennen lernt, die sich "Neonationalisten" nennen, trifft er seine Todesboten - ein Cocteau-Film, der den Nachteil hat, Realität zu sein. Bis vor kurzem noch perfekt gestylter Silberdiener einer immerwährenden Party im "Hotel Abgrund", wird der Schriftsteller nun zum Hasser ebendieser Gesellschaft; die Maske wird Fratze. Er schlägt einen Weg ein, den Jahrzehnte vor ihm mit ihrem rigorosen Antiliberalismus europäische Schriftsteller gingen - Johannes R. Becher oder Gottfried Benn in Deutschland, Marinetti in Italien.

Er war ein kaisertreuer Soldat ohne Armee

Man spricht davon, dass Mishima "Faschist" wurde. Ich bin nicht sicher, ob das die richtige Kategorie für Mishimas ekstatische Rückgewandtheit ist. Faschismus, gar Nationalsozialismus hatten ja praktische Gegenangebote; beide lebten wesentlich von dem Ideologiegebräu aus Krieg und Rassismus. Beider Rhythmus war der Marschtritt der Masse - keineswegs das Todesfanal des heroischen Einzelnen. Sie hatten konkrete politische Führer und präzise sozioökonomische Gesellschaftsmodelle. Nichts davon bei Yukio Mishima - er ist ein todessüchtiger Träumer jenseits der Wirklichkeit; für eine bessere hat er keine Entwürfe, weil Wirklichkeit ihn überhaupt nicht interessiert. Seine schließlich fanatische Kaiserverehrung war Idolisierung des Kaisertums. Mishima persönlich wollte nichts werden, er wollte untergehen. Die Askese des penibel seine Zeit zwischen Körpertraining und Kopfarbeit Einteilenden war die eines Soldaten ohne Armee: "Der Tag beginnt um sechs mit Morgenappell, Kaltwassermassage, einem Zwei-Meilen-Lauf. Ich kratze bei jeder Mahlzeit meinen Teller sauber. Und ich schlafe wie ein Baby in meinem Eisenbett, eingewickelt in eine Militärdecke. ... So seltsam es klingen mag, zu etwa 40 Prozent bin ich für das Soldatenleben geschaffen."

Ganz ohne Armee war er nicht. Gemäß seinem Lebensentwurf, Wahn und Wirklichzeit zu vermengen, die Bühne für das Eigentliche zu nehmen und den theatralischen Akt für Handeln, schuf er sich eine "Schwarze Armee Fraktion", eine Garde junger antidemokratischer Fanatiker in Operettenuniformen, die ihren bürgerlichen Überdruss in geheimen Trainingslagern wegexerzierten. Yukio Mishima wurde zum Ödipus-Darsteller, der sich nicht hinter der Bühne die Augenhöhlen mit schwarzer Kohle zuschminkte, vielmehr sich auf offener Bühne die Augen ausstach.

Wie jeder Literat vom Zitieren lebt, so borgte sich auch Mishima selbst seinen Schwur zum Tode; in einem berühmten Manifest des Samurai Yamamoto aus dem 17. Jahrhundert heißt es: "Wisse, dass das Wesentliche des bushido das Sterben ist. Das bedeutet, dass ein Samurai vor der Wahl zwischen Leben und Tod immer den Tod wählt. So einfach ist das."

Doch der Dichter hatte wieder einmal Worte für Wahrheit genommen: Yamamoto beging nicht Selbstmord, er wurde Mönch, diktierte jenes Manifest mit dem Titel Hagakure und starb friedlich mit 61 Jahren. Mishima dagegen, der einen ausführlichen Kommentar zum Hagakure geschrieben und angegeben hatte, dieses Buch - "ein Schlüssel zur Freiheit" - sei das einzige, das stets auf seinem Nachttisch liege, verfasste gemeinsam mit seinen Getreuen im Februar 1968 einen "heiligen Eid": "Wir schwören im Geiste wahrer Männer von Yamamato, uns mit dem Schwert in der Hand gegen jede Bedrohung der Kultur und geschichtlichen Kontinuität unseres Vaterlandes zu erheben." Im Gestus pathetisch erhitzter Knaben signierten alle mit ihrem Blut.

Ein paar Monate später, in einem berüchtigten "konterrevolutionären Manifest", zieht er endgültig die Wurzel aus Ästhetik und Politik: "Der Kampf wird ein einziges Mal ausgefochten, bis zum Tod. ... Wir sind die Verkörperung der japanischen Schönheit." Die Apotheose, zu der er sich viele Romane hindurch hinaufgeschrieben und zu der er sich nun heruntergelebt hatte, war der Liebestod. In seinem Freund Morita hatte er den Liebhaber gefunden, nach dem er sein ganzes Leben gefahndet hatte. Indem der ihm den Kopf abschlug, erfuhr Yukio Mishima seine letzte große Befriedigung.

Eine Auswahl lieferbarer Bücher von Yukio Mishima:

Liebesdurst, Roman; aus dem Japanischen von Josef Bohaczek; Insel Verlag, Frankfurt a. M.; 239 S., 39,80 DM

Geständnis einer Maske, Roman; aus dem Amerikanischen von Helmut Hilzheimer; Rowohlt Taschen- buch Verlag, Reinbek; 151 S., 9,90 DM

Nach dem Bankett, Roman; aus dem Japanischen von Sachiko Yatsushiro; Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M.; 220 S., 22,80 DM

Schnee im Frühling, Roman; aus dem Japanischen von Siegfried Schaarschmidt; Carl Hanser Verlag, München; 389 S., 39,80 DM

Unter dem Sturmgott, Roman; aus dem Japanischen von Siegfried Schaarschmidt; Carl Hanser Verlag, München; 448 S., 39,80 DM