Seit über einem Jahr streiten der Sender Freies Berlin (SFB) und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) erbittert darum, ob und wie ihre 1997 begonnene Zusammenarbeit auf fünf von acht Hörfunkwellen fortgesetzt werden kann. Am 20. November hat der SFB-Rundfunkrat nun doch grünes Licht für die weitere Zusammenarbeit beider Sender ab 1. 1. 2000 gegeben und damit ein medienpolitisches Desaster für die Region knapp vermieden.

Was Außenstehenden völlig unverständlich erscheint, trägt für Insider längst Züge von Szenen einer Ehe. Nach der gescheiterten Länderfusion zwischen Berlin und Brandenburg, die mittelfristig auch die Fusion der beiden Sender zur Folge gehabt hätte, waren ORB und SFB gehalten, eine umfangreiche Kooperation anzustreben. Konsequent und durchaus mit gutem Willen vorangetrieben, gedieh die Zusammenarbeit beim Hörfunk dabei am weitesten: Im Zuge einer Radioreform wurden vor drei Jahren entsprechend dem Gebührenschlüssel fünf Wellen gemeinsam produziert.

Dass man gerade beim Hörfunk zusammenarbeitet, liegt in dieser Region nahe: Wo mehr als 30 Veranstalter rabiat um die Gunst des Publikums buhlen, ist die Luft für öffentlich-rechtliche Anbieter ohnehin dünner als anderswo: Sie konnten in den letzten Jahren nur noch rund ein Drittel der Hörer für sich begeistern. Die medienpolitisch sinnvolle Bündelung der Ressourcen beider Sender war aber alles andere als ein Erfolg. Neben dem InfoRadio mit kontinuierlichen Zuwachsraten konnte sich allein die Jugendwelle Fritz auf einem Radiomarkt behaupten, der als der härteste Europas gilt. Besonders schwer taten sich dabei Radio Eins und die beiden Kulturwellen. Während das selbst ernannte High-Quality-Format es erst im dritten Anlauf und unter Einsatz erheblicher Werbemittel überhaupt in die Media-Analyse - die für die werbetreibende Wirtschaft das Maß aller Dinge ist - schaffte, erreichten RadioKultur und Radio 3 zusammen nicht einmal die Marktanteile ihres Vorgängers SFB 3. Eine große Überraschung war das nicht: Beide Wellen unterscheiden sich in ihrem Programmprofil kaum voneinander.

Von dieser Schwäche profitierten bald andere: Modernisiert und mit starken Frequenzen ausgestattet, etablierten sich Deutschlandradio Berlin und Deutschlandfunk als feste Größen in diesem Segment und haben zusammen inzwischen fast sechs Prozent der Hörer. Was tun?, fragten sich bald die Verantwortlichen von ORB und SFB. Der folgende, quälende Diskussionsprozess zog sich weit über ein Jahr hin. Nicht zuletzt auf Druck der Landesmedienanstalt, die einen Frequenzentzug nicht mehr ausschloss, hatten sich die Geschäftsleitungen beider Sender auf jenen Konsens verständigt, der nun die neue Geschäftsgrundlage abgibt.

Der ORB revidiert seinen angekündigten Rückzug aus InfoRadio und arbeitet weiter bei Radio Kultur mit, im Gegenzug beteiligt sich der SFB weiter an der Jugendwelle Fritz und Radio Eins. Bewusst ausgeklammert bleibt allerdings der Streit um die Frequenzfrage, über die am Ende die Landesmedienanstalt zu befinden hat. Der SFB will die angestammte Berliner ORB-Frequenz 96.3, die bisher für die Kulturwelle Radio 3 reserviert war, für Radio MultiKulti nutzen.

Ob die Kooperation nun auf mehr Resonanz als bisher trifft, wird davon abhängen, ob sich die Verantwortlichen zurücklehnen oder den Neuanfang zu Modernisierung und programmatischer Runderneuerung nutzen.