Das Prinzip ist aus dem Alltag bekannt. Man zahlt, beispielsweise fürs Frühstücksbuffet, eine bestimmte Summe und darf nach Herzenslust genießen. Manchmal heißt es auch: Steaks und Würstchen satt. In solchen Fällen geschieht es nicht selten, dass Gäste das vermutete Limit überschreiten. Denn schließlich ist der ökonomische Anreiz oft größer als die Angst vor einem verdorben Magen. Kein Restaurantbetreiber kommt freilich auf die Idee, seinem Fleischlieferanten das unvermeidliche Risiko aufzubürden, falls seine Rechnung am Ende nicht aufgeht.

Genau darum dreht sich zurzeit die hitzige Debatte über die so genannte Flatrate, einen Pauschalpreis, der monatlich fürs Surfen im Internet gezahlt wird, ohne dass der Gebührenzähler dann noch tickt. Derlei Offerten gibt es bereits. Doch weil sich Surfer als unersättlich erwiesen, trieben sie schon etliche Anbieter in die Pleite.

Die Schuld daran wird gemeinhin der Telekom zugewiesen. Als Lieferant der Leitungen ist sie nicht bereit, das Tarifmodell abzusichern, das andere Unternehmen ihren Endkunden bieten. Allen, die einen Zugang zum Netz vermarkten und auf die Infrastruktur des Fernmelderiesen angewiesen sind, bietet sie bislang lediglich an, im Minutentakt abzurechnen. Wer sich verkalkuliert, trägt das Risiko also allein.

Damit, so beschloss vergangene Woche die Regulierungsbehörde, soll künftig Schluss sein. Sie verpflichtete die Telekom, ihren Rivalen bis zum 1. Februar 2001 eine Großhandels-Flatrate anzubieten. Nun scheint der Wunsch vieler Internet-Freaks endlich in Erfüllung zu gehen: Surfen satt, und das zu einem Preis, der noch unter der bislang üblichen Flatrate (um die 80 Mark) liegt. Womöglich aber haben sich die Surfer zu früh gefreut. Die Sache ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Wohl wissend um die Schwierigkeit, ein solches Angebot zu kalkulieren, überlassen die Regulierer dies der Telekom. Die aber hat keinen Grund, Abnehmern das Geschäft zu erleichtern. Schließlich sind diese gleichzeitig ihre Konkurrenten.

Das paradoxe Ergebnis der Intervention könnte sogar sein, dass die Telekom das Pauschalangebot der Online-Tochter für eigene Endkunden wieder einstellt, denn damit wäre ihre Verpflichtung zur Großhandels-Flatrate vom Tisch. Ebenso könnte sie aber auch den Preis erhöhen, schließlich schreibt T-Online mit der derzeitigen Flatrate Verluste. Genau das brachte ihr den Vorwurf ein, mit Dumping-Preisen zu konkurrieren.

Als Quasimonopolist im Ortsnetz fürchtet die Telekom zudem, dass der unberechenbare Datenverkehr via Internet die Leitungen verstopft. Um das zu verhindern, würden stattliche Investitionen fällig. Na und?

Die Frage ist durchaus berechtigt. Allerdings gibt es längst eine neue Technik, welche die schmalen Straßen im Ortsbereich in Autobahnen verwandelt. Mit ihrem Einsatz will die Telekom allerorten moderne Highways bis in die Häuser bauen - statt die Netze auf alte Weise aufzurüsten. Schon heute ist der schnelle Draht - zum neuen Pauschalpreis - zu haben, allerdings regional begrenzt. Das Angebot soll zügig ausgebaut werden. Das freut zwar Vielsurfer; Konkurrenten fürchten indes, dass der Fernmelderiese seine Vorherrschaft in den Ortsnetzen zementiert. So oder so: Nun ist die Telekom wieder am Zug.