Die "Welt" erwählte heute ein anderes Thema zum Aufmacher: "Regierung entlässt UMTS-Auktionator Scheurle" ist da zu lesen, die Schlagzeile des "Handelsblatts" verkündet jedoch eine etwas andere Ansicht: "Telekom-Aufseher gibt auf". Konsensus beider Blätter ist jedenfalls, dass CSU-Mann Klaus-Dieter Scheurle sein Amt als Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ab Anfang nächsten Jahres nicht mehr ausüben wird, zur besonderen Freude von Rot-Grün, Ron Sommer und der Post, zum Verdruss aller Wettbewerbsanhänger auf dem Post- und Telekommunikationsmarkt. Auch von neuer Gewalt und Friedensinitiativen im Nahen Osten ist heute in fast allen Zeitungen die Rede, die "Süddeutsche Zeitung" titelt: "Arafat will neue Friedensgespräche". Das Verbot von Tiermehl als Futter platzierte die "Frankfurter Rundschau" über dem Umbruch der ersten Seite, die "Frankfurter Allgemeine" titelt in gewohnter zweizeiliger Manier: "Riester stellt eine Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung in Aussicht".

Naher Osten: Pufferzonen, einseitiger Abzug?

Jeden Tag gibt es neue Meldungen über Anschläge, Vergeltungsmaßnahmen, Feuergefechte und Tote im nahöstlichen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern. In den letzten zwei Tagen erreichte dieser Konflikt einen neuen Höhepunkt, und die "Frankfurter Allgemeine" fragt in einem Kommentar: "Wer stoppt die Gewalt?" Eine Möglichkeit sei der Vorschlag von US-Außenministerin Albright, zwischen von Palästinensern und Israelis bewohnten Gebieten Pufferzonen einzurichten – "vorausgesetzt, beide Seiten akzeptierten das". Und genau daran besteht derzeit ebenso großer Zweifel wie an der Vermittlerrolle der USA: "Der scheidende Präsident Clinton kann allenfalls noch als Rufer in der Wüste auftreten, aber nicht mehr als wirklich Handelnder. Und bis ein neuer Präsident in Amerika regiert, wird noch einige Zeit ins Land gehen." Eine Alternative sieht die "FAZ" in der UN, jedoch nur, wenn zuvor Initiativen der Kontrahenten zu erkennen sind, "die Gefahr ist nämlich groß, dass unter dem Schirm der UN der Lösungswille auf beiden Seiten fürs erste erlahmt." Wladimir Putin, den Arafat zurzeit besucht, erwähnt das Frankfurter Blatt mit keiner Silbe als Konfliktlöser, ebensowenig wie Susanne Knaul in der "taz", die ihren Vorschlag schon im Titel ihres Kommentars formuliert: "Die Lösung heißt: einseitiger Abzug". Das klingt derzeit utopisch, doch für Knaul ist klar, "dass Aggression im Nahen Osten noch nie zu einer Lösung geführt hat." Gefragt sei jetzt "ein einseitiger Abzug zumindest aus Teilen der besetzten Gebiete und die Konzentration jüdischer Siedlungen. Wenn das mit Arafat als 'Nicht-Partner' nicht geht, dann muss es Barak eben allein versuchen."

Tiermehl und Gesundheitspolitik

Seit gestern ist es offiziell, die Regierung will die Verfütterung von Tiermehl wegen der BSE-Gefahr generell verbieten. Dass das eiweißhaltige Resteprodukt überhaupt solange auf dem Markt sein durfte, hat für Karl-Heinz Karisch von der "Frankfurter Rundschau" einen einfachen Grund: "Der Kostenfaktor ist tatsächlich die treibende Kraft hinter der brüchigen Argumentationskette für Tiermehlverfütterung." So seien "die einst stinkenden Abdeckereien in den vergangenen Jahrzehnten zu preiswerten Lieferanten von Billigeiweiß für die Turbo-Landwirtschaft" mutiert. Die "Süddeutsche" vermutet denselben Grund hinter der "kannibalischen Tiermast": "Eines ist sicher: Tiermehl hat BSE ausgelöst. Verboten wurde es aber 1994 nur als Futter für Pflanzenfresser. Mit Blick auf die Kosten begnügten sich damals alle Beteiligten mit halbherzigen Beschlüssen, die Ansteckungsquelle wurde nicht verboten, auch nicht, als feststand, dass BSE auf den Menschen übertragen wird." Dass dieses "Massenexperiment" nun in Deutschland zu einem Ende komme, "ist Vorbild für die EU" und Andrea Fischer zu danken: "Über die Krankheit BSE können nur Gesundheits-, nicht Agrarpolitiker entscheiden."

Wochenendspiele

Endlich Freitag. Die einen freuen sich auf ein Wochenende mit ihrer gerade erstandenen Playstation 2, suchen noch nach einem geeigneten Aufstellungsort für das ansprechend designte Möbelstück, mit dem man sowohl Beethovens Neunte als auch Zombie-Spiele wie "Resident Evil" goutieren kann. Die anderen, nicht weniger Glücklichen, freuen sich auf Günter Jauchs "Wer wird Millionär?". Auch wenn "Bild"-Reporter mit ihrem unnachahmlichen Investigativ-Journalismus nun herausgefunden haben, dass das Bewerbungstelefon Anrufer auch bei richtigen Antworten rausschmeißt ("Riesenschmu bei Jauch?"), der Reiz des Klugscheißens vom sicheren Fernsehsessel aus bleibt unwiderstehlich. Auf keinen Fall verpassen sollte man heute den Kandidaten vom vergangenen Montag, der behauptet, Antworten schon aus der Fragestellung ableiten zu können – und schon einige Beweise seines Könnens abgeliefert hat. Wird er die Million schaffen? Geht RTL heute abend das Wasser aus? Und vor allem: Was macht "Mütze" jetzt?