Daimler-Krisler

"Neuer Schock für Schrempp" titelt das "Handelsblatt" mitfühlend, denn: "Krise bei Daimler-Chrysler - Großaktionär setzt Schrempp unter Druck", führt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus. Ein amerikanischer Milliardär namens Kirk Kerkorian hat mit dem Daimler-Chef offenbar ein Hühnchen zu rupfen und hat nun den Großkonzern auf neun Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt, weil das Daimler-Management bei der Fusion den Eindruck erweckt habe, es handele sich um einen Zusammenschluss unter Gleichen. Hintergrund: Kerkorian hielt einen Großteil der Chrysler-Aktien, musste also vom Daimler-Vorstand überzeugt werden, dem Geschäft zuzustimmen.

Doch seitdem sank der Kurs der Aktien und der Firmenwert von Chrysler zusehends und Kerkorian verlor Geld. "Jetzt rächt er sich mit einer typisch amerikanischen Trumpfkarte", schreibt die FAZ und fährt fort: "Kerkorian klagt auf Schadensersatz und will den gerade erst fusionierten Konzern wieder zerschlagen". Dass so eine Klage Erfolg hat, bezweifelt das "Handelsblatt": "Auch amerikanische Juristen halten die Klage für wenig Erfolg versprechend. Das Ansinnen, die Fusion wieder rückgängig zu machen, sei völlig unrealistisch, sagte der auf Aktionärsrecht spezialisierte Anwalt Steven Toll." Doch damit ist Jürgen Schrempp nicht geholfen. Der sieht sich einem fallenden Aktienkurs und unruhigen Aktionären gegenüber. Sein Stern scheint so tief gesunken, dass die Deutsche Bank schon per Pressemitteilung verlauten lassen muss, man würde zu dem Manager auf jeden Fall stehen. Die "Taz" amüsiert sich: "Mit 'Mister Sharehoulder-Value' an der Spitze stürmte die Daimler-Aktie auch tatsächlich am Anfang von Erfolg zu Erfolg. Kurz nach der Fusion mit Chrysler lag sie bei knapp 110 Euro. Heute muss man die Kellerluken an der Börse öffnen, um sie noch zu finden. Aktueller Stand: 47,29 Euro. [... Schrempp] hat sich selbst überrannt. Schrempp war gut für den Coup. Doch um den langen Prozess des Zusammenschlusses wirklich fair zu vollziehen, ist er der falsche Mann." Dass der Daimler-Chef die Krise überleben wird, meint die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", warnt aber davor, der Graben zwischen den Chrysler-Managern und der Daimler-Führung könne unüberbrückbar werden. "Auf der Hut muss Schrempp dennoch sein. Vor Jahren haben große Aktionäre einen Vorstandvorsitzenden von General Motors zu Fall gebracht."

Rinderwahn und Essgewohnheiten

Weiterhin auf den Titelseiten befindet sich die BSE-Krise. "BSE - Skandal wird zum Fall für die Justiz" schreibt die "Welt". "Kanzler macht Druck auf Funke: 'Verbraucherschutz hat Vorrang'", zitiert der "Tagespiegel" den Bundeskanzler. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von den ersten Ergebnissen des Skandals: "Totales Verbot von Tiermehl in Deutschland", während die "Frankfurter Rundschau" berichtet "Ansturm auf die BSE-Beratung" Die "Taz" ruft dagegen eine andere, weitaus verbreitetere Krankheit in Erinnerung: "Heimsuchung Aids"

Wenn der Mensch tatsächlich ist, was er isst, dann scheint der Rindfleisch-Freund ein massives Problem zu haben. " 'Die Deutschen müssen ihre Essgewohnheiten ändern', wird gefordert. Diesmal ist es keine Überschrift aus dem Reformhausblättchen, auch kein gut gemeinter Rat von Wolfram Siebeck. Der Satz stammt von Andrea Fischer, Gesundheitsministerin." Zitiert die "Frankfurter Rundschau" nicht ohne Häme. "Der Verbraucher könnte weniger, auch teureres, aber viel besseres Fleisch essen. Verhungern müsste er trotzdem nicht: Jedes Kilo Fleisch, das weniger konsumiert wird, macht die Anbaufläche für sieben Kilo pflanzlicher Nahrung frei, die sonst durch Kuh- oder Schweinemägen gewandert wäre. Genau: Die Deutschen müssen ihre Essgewohnheiten ändern." Doch wer will den Nicht-Vegetariern Tofu-Burger schmackhaft machen? Die Regierung wird es wohl kaum sein, reagiert diese doch mit dem totalen Tiermehl-Verbot mal wieder panisch, statt überlegt, findet die "Süddeutsche Zeitung": "Ein Verbot allein schafft aber noch längst keine Sicherheit. Die Schweizer verbannten Tiermehl für Wiederkäuer bereits vor zehn Jahren von den Höfen, dennoch sind in der Alpenrepublik seit 1993 über 39 Rinder erkrankt. Bei dem jüngsten BSE-Fall in Schleswig-Holstein ist nach bisherigem Wissen Tiermehl nicht mit im Spiel gewesen. So ist, bei allem Druck, schnell zu handeln, eine durchdachtere Konzeption nötig. Rot-Grün sollte die Verbraucher nicht weiter verunsichern." Ein Weg aus der Krise liegt nach Ansicht der "Welt" beim Verbraucher selbst. Anstatt feinstes Rindfleisch "...zum Preis von Blumenerde" erstehen zu wollen, solle König Kunde ..." das Wort 'preis-wert' in seine ursprünglichen Bestandteile aufspalten. Bei allem Sparen und Preisvergleichen scheint nämlich die alte Wahrheit vergessen worden zu sein, das billige Produkte nicht ohne Grund billig sind, und dass dieser Grund in einer schlampigen, ekligen gesundheitsgefährdenden Produktionsform liegen könnte.". Doch was soll der Verbraucher denn nun tun? Ein so komplexes Thema will ausführlich beantwortet werden, und deswegen hat der Tagesspiegel einen mehrseitigen "BSE-Leitfaden" herausgebracht, in dem sich die Berliner auch Gedanken um die Sportler machen: "Was Bundesligaspieler jetzt noch essen dürfen."

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