Ungewiss, unheimlich, unnatürlich - das sicherlich! Aber gefährlich? Auf den Gedanken wäre man wohl nicht gekommen. Jetzt, in den Zeiten von BSE, hat sich das naiv Unnatürliche als das brisant Lebensgefährliche erwiesen. Auf den Gedanken hätte man auch früher kommen können. Aber das Treiben der menschlichen Zivilisation war seit jeher geprägt von der Ambivalenz der Naturbeherrschung – zwischen Selbstunterwerfung unter die Natur und der Unterwerfung der Natur unter den Menschen.

Und nun die Ambivalenz zwischen Hysterie und Verdrängung, zwischen Über- und Untertreibung der Gefahr. Spätestens jetzt, im Rückblick, wirkt nichts plausibler als der Gedanke: Was in England möglich ist, ist prinzipiell überall möglich; also muss alles, was man von den Briten als Vorkehrung verlangt, genauso gut und genauso früh/bzw. spät auch bei uns unternommen werden. In Murphy’s Law wird beides zugleich treffend formuliert – die Notwendigkeit, so zu handeln, wie die Unwilligkeit, es auch zu tun: "Was schief gehen kann, geht auch schief."

Gewiss gibt es das, was man Hysterie nennt, die Übertreibung einer Gefahr ohne (schon vorliegenden) Beweis; aber nicht jede Gefahr, die man nicht beweisen kann, ist deshalb schon bewiesenermaßen nicht existent. Die billige Warnung vor der Hysterie hat freilich angesichts folgender Erfahrung ihr Recht weithin verspielt: Zuerst verhindert die "Hysterie" das richtige (und rechtzeitige) Handeln, weil die Übertreibung leichter zu durchschauen ist, als sich ihr begründeter Ansatz beweisen lässt; da haben sich die "Hysteriker" einen Teil der Verantwortung ins eigene Heft zu schreiben. Später aber zeigt es sich, dass ohne die emotional aufrüttelnde Übertreibung der "Hysteriker", die angeblich "Vernünftigen" in aller Ruhe den Weg der Unvernunft weitergegangen wären.

Nun also das grobe Aufwachen aus dem Schlaf der "Vernunft" – und das Barmen um die finanziellen Verluste. Ich kann, bei aller Einsicht in die individuelle Lage des einzelnen Landwirts, leider keinerlei allgemeines Mitgefühl für diesen Stand entwickeln, in dessen Reihen ich als Kind aufgewachsen bin. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Einbrüche sind nur das spiegelbildliche Gegenstück zu jenen Gewinnen, die man zuvor machte, indem man seelenruhig die Gefahr verkannte – oder,. schlimmer noch, erkannte – aber energisch verdrängte: "Nach uns die Sintflut...". Jetzt kommt sie, die Sintflut. Aber nicht nach uns – sondern über uns.