Es ist Spätherbst. Ein bunter Verein hat sich im Besucherzentrum von Portree versammelt, der winzigen Inselhauptstadt - die International Small Island Studies Association (ISISA). Knapp hundert Menschen "mit leidenschaftlichem Interesse an Kleininseln", wie es der amtierende Vorsitzende Mark Hampton von der Kanalinsel Jersey ausdrückt; er musste für Grant McCall einspringen, den Chef der ISISA, der im Krankenhaus liegt, weil er von einer australischen Giftspinne gebissen wurde.

Das Besucherzentrum füllt sich. Draußen peitscht der Wind den Ankommenden den Regen ins Gesicht. Drinnen werden sie von Calypso-Musik empfangen, und die Kinoleinwand im Versammlungssaal zeigt Sonne, Strand und Palmen. Jetzt fühlen sich besonders die Gäste von den warmen Inselwelten des Pazifiks und der Karibik wieder wohler. Einer schlägt vor, die ISISA umzubenennen: "International Small Warm Islands Study Association (ISWISA)."

Doch zum Äußersten kommt es dann doch nicht - Skye im Spätherbst ist einfach zu schön. Pausenlos wechseln Regen und Sonne, Helligkeit und Dunkelheit, klare Sicht und Nebel, fast im Zehnminutentakt. Und Touren über die Insel bieten dem Auge eine ebenso abwechslungsreiche Landschaft - alles, was das schottische Hochland zu bieten hat, ist versammelt, nur kleinräumiger. Wer auf Skye Auto fährt, radelt, wandert oder läuft, kann sich eigentlich nicht langweilen.

Ein Schotte begrüßt die Gäste von 40 Inseln aller Weltgegenden auf Gälisch. Er löst damit eine Kettenreaktion aus: In den kommenden Tagen wird das Konferenzenglisch mehrfach durch Heimatsprachen aufgelockert. Die ISISA, die sich alle zwei Jahre trifft (das vorige Mal auf Mauritius), ist ein Netz von Forschern und Praktikern.

Ihnen ist bewusst, dass kleine Inseln viele Probleme miteinander gemein haben, unabhängig von Kultur und Klima. Beispiel Küstenschutz: Auf einer kleinen Insel fällt er in eins mit Naturschutz, Bauplanung und Fischereipolitik. Tourismus: Ein einziges Kreuzfahrtschiff - und die Insel ist überschwemmt von Touristen. Abfallbeseitigung: Das Zeug lässt sich nicht weit wegtransportieren. Bevölkerung: Demografische Veränderungen und Migrationstendenzen machen sich schlagartig bemerkbar, wegen der geringen Einwohnerzahl. Und so weiter, und so fort - auf Kleininseln sind sämtliche Kultur- und Naturfaktoren enger miteinander vernetzt als in größeren Räumen; zuweilen ist es eine einzelne Person ("zum Beispiel ein ewig betrunkener Arzt", sagt ein Teilnehmer), von der es abhängt, welchen Entwicklungspfad eine Inselgesellschaft geht.

Abgeschieden? Nicht mehr. Alles vernetzt!

Kleine Inseln sind Gesellschaftslabors. Gertrude McIntyre vom University College of Cape Breton (Nova Scotia, Kanada): "Unsere Insel bietet einen Mikrokosmos aller Herausforderungen, Schwierigkeiten und Chancen, die auf der ganzen Welt charakteristisch für den Wandel in agrarischen und städtischen Gesellschaften sind; aber hier kann man das Geschehen auf der menschlichen Ebene anfassen, spüren, mitfühlen, es ist nicht so unsichtbar wie anderswo."