Die Frage, ob ein neuer Film massenweise Zuschauer in die Kinos locken wird oder floppt, interessierte hierzulande jahrzehntelang ausschließlich Filmkritiker. Das hat sich grundlegend gewandelt. Gebannt verfolgen inzwischen auch Einzelhändler, Handwerker, Zahnärzte und andere gut verdienende Freiberufler die Besucherzahlen in Kinos und die Einschaltquoten im Fernsehen. Denn unter Deutschlands Spitzenverdienern gelten Filmfonds als neuer Anlagehit (siehe Grafik). Mit ihnen, so jedenfalls versprechen die Fondsanbieter, kann man zweierlei: kräftig Steuern sparen und Traumrenditen erzielen - natürlich fast risikofrei.

Doch wer sich von den hohen Steuerersparnissen nicht blenden lässt und vor einer Anlageentscheidung die Rendite- und Gewinnprognosen in den Hochglanzprospekten sorgfältig überprüft, wird eines feststellen: Je höher die Rendite vor Steuern, umso höher ist auch das Risiko, seinen Kapitaleinsatz ganz oder teilweise zu verlieren. Genauso gilt umgekehrt: Je niedriger das Risiko, umso niedriger ist auch die Vor-Steuer-Rendite. Ob eine Investition sich tatsächlich rechnet, hängt in dem Fall ausschließlich von dem daraus resultierenden Steuereffekt für den Anleger ab.

Ein hohes ökonomisches Risiko gehen Anleger bei den so genannten unternehmerischen Medienfonds ein. Bei dieser Fondsart tragen sie sowohl die Produktions- als auch die Vermarktungsrisiken der Filme. Spielen also die Filme, die der Fonds produziert, mehr ein, als sie gekostet haben, winkt ein möglicherweise saftiger Gewinn. Will aber keiner die Streifen sehen, droht unter Umständen sogar ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Als Steuersparmodell anpreisen können die Anbieter ihre hoch riskanten Investitionsmodelle dank des deutschen Steuerrechts. Das schreibt zwingend vor, dass die Kosten für die Produktion eines Filmes sofort abgeschrieben werden müssen. Der Grund: Filme gelten als immaterielle Wirtschaftsgüter. Das heißt, wer 100 000 Mark in einen solchen Fonds investiert, kann diese sofort steuermindernd als Verlust geltend machen, da die - möglichen - Erträge erst später anfallen, wenn der Film tatsächlich vermarktet wird.

Doch auch wenn die Streifen erfolgreich sind, bedeutet dies noch lange nicht, dass sich das Investment für die Anleger auch wirklich lohnt. Sehr oft sind die komplizierten Verträge so gestrickt, dass die Risiken voll zulasten der Anleger gehen, während die Fondsinitiatoren, der Vertrieb und andere Prospektbeteiligte häufig mehr als die Hälfte des von ihnen prognostizierten Profits über Verwaltungsgebühren, Erfolgsbeteiligungen und Ähnliches abschöpfen.

Damit die Rendite - zumindest auf dem Papier - trotzdem attraktiv bleibt, greifen die Anbieter gerne zu einem Trick: Sie schrauben einfach die Ertragsprognosen nach oben. Das fällt umso leichter, als die meisten Filmfonds sogenannte Blind-Pools sind, was nichts anderes bedeutet, als dass der Anleger meist weder erfährt, welche Filme er mitfinanziert, noch, welche Schauspieler unter Vertrag sind.

So kalkuliert der Münchner Fondsan- bieter Cinerenta für seinen neuesten Fonds mit einem Einspielergebnis von sagenhaften 217 Prozent in den ersten fünf Jahren der Auswertungsphase. Mit anderen Worten: Einer Mark Produktionskosten stehen angeblich Einnahmen von 2,17 Mark gegenüber. Das aber wäre das Doppelte von dem, was als Erfahrungswert aus der Vergangenheit abgeleitet werden kann. Experten bezeichnen ein Einspielergebnis von 1,40 bis 1,60 pro Mark Produktionskosten als realistisch.