Wer, vielleicht an einem sonnigen Herbsttag, am Millstätter See das Schiff besteigt, der hat es zum Laggerhof nicht mehr weit. Im Takt der Ausflugsdampfer fallen die Gäste ein. Mit den Gästen kommen die Wespen, angelockt von Frittatensuppe und Knödeln. Es leuchten die Almen, Kärnten gibt sein Bestes. Und wenn einmal alle zusammen andächtig schweigen, dann kann es passieren, dass vom nahen Waldrand her ein Grunzen herübertönt.

"Des san unsere Schweine", sagt Elisabeth Kohlmeier, die Tochter des Hauses, "ganz besondere Schweine san des." Inwiefern? Na, sagt Elisabeth Kohlmeier, ziemlich wilde Schweine. Im Sommer wie im Winter draußen. Brauchten keinen Tierarzt. Würden sich zum Ferkeln Nester bauen. Schwimmen könnten sie. Tauchen täten sie. Besonders gern nach Muscheln. Moment mal, sagt der Gast. Schweine, die nach Muscheln tauchen? Vielleicht mit Schnorchel? Man kann ja viel erzählen. Wenn der Tag lang ist. "Jawohl", sagt Elisabeth Kohlmeier, "so san sie, die Schweine." Der ORF hätte sogar einen Film gemacht. Mit dem Direktor Pechlaner vom Tierpark Schönbrunn.

Aussenaufnahme, Totale: Durchs Bild rennt eine Herde Schweine. Helmut Pechlaner: "Wir befinden uns hier am Laggerhof im schönen Kärnten. Neben mir steht der Herr Kohlmeier, erzählen Sie doch mal, wie sind Sie zu diesen Schweinen gekommen?" Josef Kohlmeier: "I hob da vor finfazwonzig Joar a kloans Ferkel, an Eber, kauft, der hot so an schwoazn Punkt habt auf d' Nasn. Da hob i 'n einkreuzt, nacha san die Schweine olle scheckat worn." (Aus dem ORF-Beitrag Treffpunkt Natur, Februar 1994)

Gescheckt sind sie. Das beweist der Film. Aber das ist kein Beweis für gar nichts. Und Josef Kohlmeier, der es am besten wissen müsste, hüllt sich in Schweigen. Mit seinen Schweinen ist er eigen, was geht es fremde Leute an, ob sie seilhüpfen oder tauchen oder Klarinette spielen? Auch als das Fernsehen damals kam, war er wenig begeistert. Wozu, fragte er, wollt ihr meine Schweine filmen? Aber Herr Kohlmeier, sagten die vom ORF, dann werden Sie berühmt! Wozu, fragte Josef Kohlmeier, soll ich berühmt werden? Mit von der Partie war der Magister Franz Punz vom österreichischen Verein zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (VEGH). Zehn Jahre lang hatte er vergebens nach solchen Schweinen gefahndet. Da müssen wir eine Blutprobe nehmen, sagte der Direktor Pechlaner. Unbedingt, bekräftigte der Magister Punz. Wozu?, fragte Josef Kohlmeier. Meine Schweine sind nicht krank. Ergebnis: Der Tierpark Schönbrunn hat dem Laggerhof acht Ferkel abgekauft.

Inzwischen ist es Zeit für die Brettljause. Versuchen wir's noch mal. Darf man die Schweine sehen? Jo, freilich. Oben am Wald stehen sie. Teils im Stall, teils auf der Wiese. Zufrieden sieht ein Schwein aus, wenn es auf der Wiese wühlt. Hat es genug gewühlt, lässt es sich auf die Seite fallen. Liegt still da und schließt die Augen. Was ihm dabei durch den Kopf geht? Dass es wegen der Gäste nicht mehr in den See darf? Angenommen, an der Geschichte ist was dran: Können Schweine das Tauchen auch verlernen? Oder haben sie's in den Genen?

Von solchen Fragen relativ unberührt, verarbeitet die Familie Kohlmeier pro Jahr um die 20 Schweine zu Braten, Wurst und Speck. Zeitweise hat der Vater 200 Stück besessen, man nennt ihn nicht von ungefähr den Schweinebaron. Seit sein Sohn Ferdinand den Hof übernommen hat, begnügt er sich mit weniger. Wichtig, sagt Elisabeth Kohlmeier, sei vor allem, dass man die Schweine zum rechten Zeitpunkt schlachtet. Also im "alten Schein", kurz vor Neumond, sonst gehen nachher die Würmer an den Speck. Ah, ja. Und weiter? Doch, sagt Elisabeth Kohlmeier, wo sie herkommen, die Schweine, da tauchen sie nach Muscheln. Nämlich aus dem Turopolje kommen die Schweine. Das ist nun ein Punkt, der sich überprüfen lässt.

"Im Turopolje, auf diesem entzückenden Stückchen Tiefland, das an seinen Rändern mit einem Kranz von Eichenwäldern geziert ist, gab es schon in grauen Vorzeiten ein wahres Dorado für das kroatische Hausschwein, das sich dahier nach eigenem Gutdünken bewegen kann. So genießt es auf der Hude die angenehmen, ach so kurzen Tage seines Lebens" (übersetzt aus: Gustav August Vichodil, O pasmina svinja i njihovoj gojitbi, Osijek 1902).