Freitagmorgen bringe ich meine beiden Kinder Nicole und Sebastian in den Kindergarten. Mittags setze ich mich ins Café der Kiepertschen Buchhandlung in den Schönhauser Arkaden am Prenzlauer Berg. Dort kann man die Bücher lesen, ohne sie zu kaufen. Sehr praktisch. Hier sitzen Menschen oft Stunden und lernen Sprachen, lesen die neuesten Bücher, alles. Ich werde mir Reiseliteratur anschauen, Reiseführer für die USA und für Südamerika. Denn in meinem neuen Roman wird es um Orte gehen, in die ich immer mal reisen wollte - und es nie geschafft habe. Nach Amerika wollte ich schon so oft, mindestens fünfmal war ich kurz davor. Inzwischen habe ich deshalb fast das Gefühl, schon da gewesen zu sein. Komisch, nicht?

Samstag: Oh, je, Weihnachten steht vor der Tür. Heute stürzen wir uns mit bestimmt einer Million anderer Berliner in die Geschäfte. Ich hasse es, Geschenke zu kaufen. Jedes Jahr dasselbe Theater, die Leute haben doch schon alles! Also denkt man, es soll was ganz Ausgefallenes sein. Das muss man erst mal finden! Am schönsten wäre vielleicht ein selbst gemachtes Geschenk. Aber soll ich jetzt anfangen, ein Bild zu malen? Das wäre doch blöd. Ein schönes Geschenk habe ich schon gesehen: eine japanische Gießkanne in einem kleinen Lädchen in der Schönhauser Allee. Aber der Händler verlangt 200 Mark dafür, das ist das teuerste Stück in dem ganzen Geschäft. Ich muss ihn runterhandeln, unbedingt.

Am Sonntag schreibe ich meine Kolumne für die russischsprachige Zeitung Russki Berlin. Ich erzähle dort von Menschen, die ich schon länger beobachte. Zum Beispiel von Maxim, der am Attila Döner rumhängt und ständig Liebesaffären hat. Wenn ich damit fertig bin, gehen wir alle zusammen spazieren, Schwiegermama, die Kinder und meine Frau Olga. Immer die Schönhauser Allee rauf und runter. Warum nicht aufs Land? Nein, was sollen wir da? Selbst zum Zoo fahren wir nur, wenn unsere Gäste unbedingt hinwollen. Abends schauen wir uns ein Video an. Wir sehen selten fern und gehen auch nicht oft weg. Ein, zweimal in die Russendisko im Kaffee Burger (Torstraße 60), das reicht an Trubel. Wir schauen uns lieber Videos an, meine Frau liebt Horrorfilme wie zum Beispiel Scream, ich bevorzuge Action. Und natürlich russische Filme - empfehlen kann ich einen Kultfilm aus den Sechzigern mit George Zoros: Semlja Zannikoba, ein Indianerfilm. In russischen Läden kann man ihn oft auf Video ausleihen.

Montag ist mein Erholungstag, sozusagen mein Sonntag. Ich mache gar nichts. Ich schlafe lange, kümmere mich ein bisschen um den Chinchilla Dussja und unsere Russlanddeutsche Marfa. Marfa ist ein vier Monate altes Siamkätzchen, das wir von russischen Aussiedlern aus Berlin-Marzahn geholt haben. Die haben ein paar Katzen aus Kasachstan mitgebracht und züchten sie jetzt.

Am Dienstag muss ich wieder an die Arbeit. Wir veranstalten im Kaffee Burger zwei Weihnachtsabende. Einer findet passend zum deutschen Fest am 23. Dezember statt. Am 30. Dezember feiern wir Jolka, das russische Weihnachten. Ich suche russische Gedichte und Filme heraus, die wir an diesem Abend vortragen und zeigen können. Die spannendsten Sachen finde ich dazu im Internet: www.artinfo.ru (auch in Englisch) oder www. afisha.ru (nur russisch). Mein Favorit ist derzeit der junge Moskauer Dichter Timur Kibirow: ein sehr schlauer, sehr bissiger Mann.

Am Mittwoch fahre ich vormittags in die Masurenallee, um meine Sendung Wladimirs Welt für den SFB aufzunehmen. Danach habe ich noch Zeit für einen Abstecher in den russischen Laden hinter dem KaDeWe. Die sind sehr gut geordnet und verkaufen eingelegte Tomaten, Kuchen - alles nach streng russischen Rezepten. Wodka? Klar, den kann man dort auch bekommen. Aber wir trinken nie Wodka. Das müssen Sie mir wirklich glauben.