Eifert Wieczorek-Zeul Däubler-Gmelin nach, die zu allem, was populär ist und macht, eine Meinung hat, auch zu Daum, und über ihre Internet-Seite sogar Kochrezepte und Gutenachtgeschichten verbreitet ("Nach dem Krieg war vieles zerstört, auch Familien").

Oder bewundert die Herta die Heidi, die schon 1995 Schlagzeilen machte, als Teil des Weltgewissens im Südpazifik unterwegs, um gegen die französischen Atomwaffentests vor Mururoa zu protestieren ("Ich werde mit Sicherheit seekrank. Aber es gibt Situationen, da muss man so was machen"). Heidi mit ihrem kunstsinnigen Hundertwasser-Tuch (KunstHaus Wien, Museums-Katalognummer 420 für 508 Mark). Hertas Umhang dagegen ist ein No-Name-Produkt aus dem KaDeWe.

Klonen die Sozialdemokraten Karrierepolitikerinnen? Oder entstehen zweieiige Zwillinge in der Politik von allein durch Fleiß, Ehrgeiz und Mangel an Geschmack? Auch Bundesarbeitsminister Walter Riester konnte nur betreten zu Boden schauen, als die beiden einander trafen. Männer sind heutzutage eben schüchterner.

Was die Bewertung der Tuchwahl betrifft, liegen Herta und Heidi gleichauf. Die Justizministerin wählte eine Farbkomposition, die prima in die Vorweihnachtszeit passt, Christbaum-Camouflage, deutlich erkennbar allerdings die Qualitätsmängel bei der preiswerten Kaufhausware: ein bisschen Händeschütteln, und schon machte sich eine Ecke des Tuches selbstständig und wanderte über die Stuhllehne. Heidis Hundertwasser war zwar extravagant, leider aber auch fleckenanfälliger und aufgrund des deutlich erkennbaren Wiener Stadtwappens nicht leitkulturfähig. Das gibt Abzüge in der B-Note.

Wie ist der Gesamteindruck? Herta wirkte insgesamt eleganter, hat aber gewisse Schwächen im Frisurbereich. Heidi schwört auf Henna, trägt aber immer noch die ausgebeulten Seemannspullover aus der Studentenzeit. Eindeutiger Gewinner deshalb der klassisch-elegante Walter Riester, auch wenn das mit der Hose noch gelöst werden müsste.

Unabhängig vom Buy Nothing Day erhalten die beiden abgebildeten Tücher vom KaDeWe bzw. aus dem Hundertwasser-Haus keine Kaufempfehlung der Redaktion