Ein Wort tut seine Pflicht, es ist in aller Munde. Das Wort "Leitkultur" ist einerseits leicht, andererseits schwer zu verstehen

leicht versteht es sich, wenn man es als Vehikel nimmt, um damit eine Position in der Einwanderungsfrage zu markieren. Die Marke soll - wie jede andere, ob es sich dabei um Pullover oder Meinungen handelt - Aufmerksamkeit erregen, und siehe da, viele sind erregt. Schwer zu sagen ist nur, was sich einer denkt, der an "die deutsche Leitkultur" glaubt, was für ein Weltbild hat er?

Das Wort "Kultur" sagt alles und nichts

es lässt sich strategisch in jenen Situationen einsetzen, in denen man Politik meint, aber damit noch nicht herausrücken möchte. In Deutschland gibt es einen Staatsminister für Kultur.

Vielleicht weiß er mehr über die Leitkultur, und in der Tat, er hat einer österreichischen Zeitung ein Interview gegeben, in dem er nicht abstreitet, dass es eine "Nationalkultur" gibt: "Das definiert sich ganz einfach durch die Sprache", sagt der Kulturminister.

Ich glaube, mit dem Definieren kommt man nicht weit. Man verstrickt sich allzu leicht in die Fallen, die bestimmte Wörter einem stellen, wenn man sie ernst nimmt. Aber es gibt historische Beispiele: Eine lehrreiche Satire gegen eine ehemals verbindliche Leitkultur ist das Buch von Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk.

Mit Entsetzen habe ich im deutschen Fernsehen den Nachruf auf einen Komiker gesehen, der erklärt hatte, er würde fürs Leben gern "den Schwejk, den Österreicher" spielen. Schwejk ist nicht Österreicher, im Gegenteil, er ist Tscheche, und das ist - neben dem Ersten Weltkrieg - fast schon sein ganzes Abenteuer.