Wie erfahren 15 Millionen Einwohner Shanghais, dass ihre Steuergelder demnächst in eine knapp drei Milliarden Mark teure Transrapidstrecke fließen sollen? Natürlich in einer Fernseh-Show. "In Shanghai wird eine Magnetschwebebahn gebaut. Aus welchem Land kommt die Technik dafür?", fragte vor wenigen Tagen der Showmaster einer beliebten Unterhaltungssendung im Stadtfernsehen. Er verriet damit eine von der deutschen Industrie seit Wochen kolportierte Entscheidung, die von den chinesischen Behörden aber mühselig geheim gehalten wird. Angeblicher Termin für den Vertragsabschluss über eine Strecke vom neuen Flughafen in die Nähe des Börsenzentrums ist der 15. Dezember. Inzwischen aber wird in China Kritik laut, die für Siemens und Thyssen-Krupp unangenehm werden könnte. Die deutschen Bahnbauer werden aller Voraussicht nach erleben, woran sie in Deutschland scheiterten und wovor die chinesischen Kommunisten sie bewahren wollten: eine öffentliche Debatte mit ungewissem Ausgang. Großprojekte in China ernten immer häufiger Kritik auf den Straßen und in den Medien - der andauernde Ärger um den Dreischluchtendamm am Jangtse ist das beste Beispiel dafür.