Eine kaputte Eisenbahnbrücke über den Elbe-Nebenfluss Jeetzel bereitet der Bundesregierung arges Kopfzerbrechen. Der marode Zustand des Bauwerkes ist der Grund dafür, dass Atommüll deutscher Herkunft nicht aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague abgeholt und ins Gorlebener Zwischenlager geschafft werden kann. Alternative Transportrouten kommen nicht infrage, weil der Strahlenmüll dann durch ein längeres, schwer zu sicherndes Waldgebiet rollen müsste. Angesichts der zu erwartenden Proteste keine angenehme Aussicht für die Unternehmen und den grünen Umweltminister Jürgen Trittin. Die Reparatur der Brücke wird voraussichtlich bis März dauern. Weil die Franzosen sich hartnäckig weigern, Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken zur Wiederaufarbeitung anzunehmen, solange aufgearbeiteter Müll nicht wieder abgeholt wird, droht einigen Kernkraftwerken nun tatsächlich der Entsorgungsnotstand - und damit das Aus für die Atomstromproduktion. Besonders betroffen sein könnte das AKW Philippsburg. Eigentümerin ist die Energie Baden-Württemberg (EnBW). Pikant ist, dass der französische Staatskonzern EdF an EnBW beteiligt sein wird, sofern die EU-Kartellrechtsprüfer kein Veto einlegen. Der Meiler in Philippsburg verfügt zwar über einen genehmigten Bereitstellungsplatz, auf dem der Atommüll zwischengelagert werden könnte. Allerdings fehlt es dort an Behältern - und die, sagt EnBW-Sprecher Klaus Wertel, könne man schließlich "nicht bei Obi kaufen". Auch eine deutsch-französische Arbeitsgruppe fand bisher keinen Ausweg aus der Malaise.