Ich bin sehr skeptisch geworden, ob ein Bergführer eine schwierige Lawinenlage jemals richtig einschätzen kann, sagte der drahtige Mann in seinem Schlusswort im Innsbrucker Prozess um das Jamtal-Lawinenunglück.

Deshalb werde ich im Winter keine Gäste mehr führen. Johann Penz, Bergführer aus Tirol, hat Konsequenzen gezogen, obwohl er, wie seine beiden Kollegen, vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen wurde. Laut Anklage hatten die Männer auf einer vom DAV Summit Club organisierten Millenniums-Tourenwoche am 28. Dezember vergangenen Jahres neun Skitouristen in den Tod geführt, weil sie die Gefährlichkeit eines Lawinenhanges nicht richtig beurteilt haben sollen. Unmittelbar vor der Jamtalhütte (2165 Meter) verschüttete ein Schneebrett 13 Ski- und Schneeschuhläufer

nur vier konnten gerettet werden. Den Bergführern sei kein objektiver Sorgfaltsverstoß nachzuweisen gewesen, urteilte die Richterin nach viertägiger Hauptverhandlung. Sie hätten die Lawinenlage nach klassischen Methoden bewertet und getan, was sie in jahrelanger Erfahrung gelernt hätten: Sie sahen keine Gefahr.

Die Bergführer und auch der Summit Club, eine 100-prozentige Tochter des Deutschen Alpenvereins, sind zunächst mit einem blauen Auge davongekommen.

Doch die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Sie wirft den Bergführern weiterhin fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor. Nun muss das Oberlandesgericht Innsbruck entscheiden.

Das Verfahren ließ wichtige Fragen offen, insbesondere nach dem Geschäftsgebaren großer Bergreiseveranstalter, die Kunden in ihren Katalogen den ultimativen Kick versprechen und das Restrisiko im Kleingedruckten verstecken. Ob es sinnvoll sei, dass Leute, die zum Teil nicht mal Ski fahren können, ins winterliche Hochgebirge gelockt würden, fragte die Richterin in der mündlichen Urteilsbegründung, ohne eine Antwort zu versuchen.

Solch grundsätzliche Fragen sind nichts für Günther Härter, den stellvertretenden Geschäftsführer des Summit Clubs. Abstriche am Programm werde es nicht geben, dafür aber eine neue Doppelseite im Katalog (Überschrift: Ein offenes Wort unter Bergsteigern!), die umfassend über die Risikoverteilung bei Bergtouren informiere. Außerdem würden die Sicherheitsstandards bei der Lawinenbeurteilung von einer internationalen Expertenrunde überprüft und gegebenenfalls angehoben. Es steht alles groß und breit im Katalog, sagt auch Andrea Piechotta von Sport-Scheck Reisen, die unter anderem Ski-Safaris im Angebot haben. Wenn der Kunde unzutreffende Angaben über Kondition oder persönliches Können mache, könne ihm die Tour-Teilnahme verwehrt werden.