Über die Expertise zur Wehrmachtsausstellung

Den Gegnern der Wehrmachtsausstellung geht die Kritik nicht weit genug, den Verteidigern geht sie zu weit, und jene, die sich weder dem einen noch dem anderen Lager zurechnen, sprechen von einem Eiertanz: Noch in den Reaktionen auf den Untersuchungsbericht, den eine Historikerkommission vergangene Woche in Frankfurt vorstellte, spiegelt sich wider, wie sehr das umstrittene Projekt des Hamburger Instituts für Sozialforschung die Öffentlichkeit polarisiert hat.

Glücklicherweise haben sich die acht Mitglieder der Kommission von der aufgeheizten Stimmung nicht im Geringsten beeinflussen lassen. Sie haben, ein Novum in der deutschen Ausstellungsgeschichte, alle Einwände auf Herz und Nieren überprüft. Die 96-seitige Expertise verbindet wissenschaftliche Akribie mit einem Höchstmaß an Fairness - und zwar nach allen Seiten hin.

Keineswegs schmeichelhaft fällt das Urteil für die Ausstellungsmacher um Hannes Heer aus. Zwar werden die Grundaussagen über den verbrecherischen Charakter des deutschen Vernichtungskrieges der Sache nach für richtig befunden, und auch der immer wieder geäußerte Verdacht der Manipulation wird ausdrücklich zurückgewiesen. Doch die Liste handwerklicher und inhaltlicher Mängel ist lang: Sie reichen vom fahrlässigen Umgang vor allem mit dem Fotomaterial bis hin zu fehlenden Differenzierungen und unzulässigen Pauschalisierungen. Im Lichte des Untersuchungsberichts zeigt sich, dass Jan Philipp Reemtsmas Entscheidung für ein Moratorium richtig war.

Doch auch die Ausstellungskritiker werden nicht geschont. Nur auf zwei der von Bogdan Musial inkriminierten neun Fotos sind nach den Erkenntnissen der Kommission zweifelsfrei Opfer des NKWD zu sehen. Und als gänzlich unhaltbar wird die Ansicht Krisztián Ungvárys zurückgewiesen, nur zehn Prozent der in der Ausstellung präsentierten Bilder zeigten tatsächlich Verbrechen der Wehrmacht. Punkt für Punkt werden die Einwände des ungarischen Historikers entkräftet, sodass am Ende von seiner Kritik kaum etwas übrig bleibt.

Blamiert sind nun all jene, die vor einem Jahr allzu rasch bereit waren, die Thesen Musials und Ungvárys für gesicherte Erkenntnisse zu halten, schien damit doch die Seriosität des gesamten Unternehmens erschüttert. Ihre Empörung erweist sich jetzt als das, was sie war: ein untauglicher Versuch, das düstere Bild von der Rolle der Wehrmacht im deutschen Vernichtungskrieg nachträglich wieder aufzuhellen.