Eine Million Menschen tot, 2,1 Millionen heimatvertrieben, 1,5 Millionen vom Hunger geplagt: Das ist Angola 25 Jahre nach der Unabhängigkeit von Portugal.

Seit beinahe einem Vierteljahrhundert tobt der Bürgerkrieg zwischen MPLA-Regierung und Unita-Rebellen. Kriegsgegner wie der Journalist Rafael Marques werden verfolgt und mundtot gemacht. Er steht zurzeit unter Hausarrest. Anlässlich des Angola-Besuchs von Außenminister Joschka Fischer in dieser Woche drucken wir Auszüge aus den inkriminierten Artikeln von Marques.

Mein Verbrechen? In einem Beitrag für eine unabhängige Wochenzeitung habe ich Angolas Präsidenten José Eduardo dos Santos den "listigsten und verschwiegensten autoritären Häuptling in Afrikas jüngster Vergangenheit" genannt. Mit anderen Worten: einen politisch geschickten Diktator.

Die Folge: Ich wurde verhaftet und in eine Isolierzelle des berüchtigten Laboratorio-Gefängnisses geworfen. Dann wurde ich angeklagt wegen "krimineller Verleumdung in einem besonders schweren Fall". In meinem Artikel hatte ich den Patriotismus eines Staatschefs infrage gestellt, der es in zwanzig Amtsjahren nicht geschafft hatte, irgendeine nennenswerte Verbesserung im Gesundheitssektor, Bildungswesen oder in anderen öffentlichen Belangen zu erreichen. Stattdessen hat er zugelassen, dass die Gewinne aus den Ölexporten - Angola deckt immerhin sieben Prozent des amerikanischen Verbrauchs - in die Taschen der Militärs und der Günstlinge seiner Regierung fließen.

Trotz unseres gewaltigen Reichtums an Erdöl und Diamanten gibt es in Angolas Hauptstadt Luanda keine Kanalisation, keine Müllabfuhr, kein trinkbares Wasser. Die Verbraucherpreise sind so hoch wie in Tokyo oder London

das Durchschnittseinkommen aber beträgt nur 50 Mark im Monat. Die Regierung pumpt Jahr für Jahr Hunderte von Millionen Dollar in den Bürgerkrieg mit Jonas Savimbis Unita-Rebellen. Seit 1994 sind vier von der internationalen Gemeinschaft vermittelte Friedensabkommen gescheitert. Mister dos Santos und Mister Savimbi kennen nur eine Art des Herrschens: durch Krieg und autoritären Führungsstil.

Neuerdings hat der Präsident offenbar die unabhängige Presse als größten Feind seines Regimes ausgemacht. Zwei Dutzend Journalisten wurden in den vergangenen zwei Jahren eingesperrt. Eine Beobachtermission der Vereinten Nationen stellte fest: "... solche Akte der Einschüchterung führen zur Selbstzensur und schränken die öffentliche Debatte immer mehr ein". Die Vertreter der Zivilgesellschaft rufen nach Frieden - und werden systematisch zum Schweigen gebracht. Angola ist mit Billigung der Völkergemeinschaft zu einer "Demokratie der Toten" geworden.