die zeit: Am Mittwoch vergangener Woche haben Sie in Frankfurt den Bericht der Kommission zur Überprüfung der Wehrmachtsausstellung entgegengenommen. Insgesamt kommen die Ausstellungsmacher glimpflich davon, manche sprechen sogar von einer Rehabilitierung. Hat Sie das Ergebnis überrascht?

Jan Philipp Reemtsma: Ich habe das Ergebnis etwa in dieser Form erwartet. Es hat ja zwei Seiten: Die eine ist, dass noch mal klargelegt wird, dass die Grundthese der Ausstellung vom Vernichtungskrieg richtig ist, dass sie nicht zurückgenommen werden muss. Die Autoren sind gegen überzogene Kritik in Schutz genommen worden. Auf der anderen Seite bleibt für den, der die Expertise genau liest, sehr viel Kritik im Detail übrig. Da sollte man sich nicht in die Tasche lügen.

zeit: Johannes Willms spricht in der Süddeutschen Zeitung von einem "Freispruch erster Klasse" für Hannes Heer. Kann es sein, dass Ihre Entscheidung, den Ausstellungsleiter im August dieses Jahres zu entlassen, voreilig war?

Reemtsma: Also zunächst einmal: Ich weiß nicht, ob diese juristische Metapher wirklich angebracht ist, aber das lassen wir mal dahingestellt. Ich habe mich von Hannes Heer getrennt nicht wegen der Fehler der Vergangenheit. Die haben Hannes Heer und die anderen Autoren der Ausstellung zu vertreten, aber genauso ich als Leiter des Instituts. Es ging um die Frage, welche Konsequenzen aus der Kritik, deren Berechtigung auch vor und unabhängig von dem Abschluss der Arbeit der Kommission klar war, zu ziehen sein würden. Da kam es zu keiner Einigung zwischen Hannes Heer und mir über die Prinzipien einer Neugestaltung. Als deutlich war, dass es auch keine Bewegung auf einen Konsens hin gab, haben wir beschlossen, uns zu trennen.

zeit: Aber Hannes Heer wird sich ja wohl nicht gesträubt haben gegen die Kritik im Detail und die Beseitigung von Irrtümern.

Reemtsma: Nein, aber die Konsequenzen aus dieser Kritik für eine Neubearbeitung sind nach meinem Urteil erheblich. Es ist nicht mit einer Reparatur im Detail getan. Abgesehen davon muss eine Neukonzeption noch anderes berücksichtigen als nur diese Expertise. Es sind ja Debatten um die Ausstellung geführt worden, die Probleme zeigten, die mit der Frage der Überprüfung der Materialien nichts zu tun haben.

zeit: War möglicherweise das Problem des bisherigen Konzepts ein Übermaß an Agitation?