Als Steen Willadsen Anfang der Achtziger in das Objekt seiner Forschung biss, verging ihm der Appetit. Kulinarisch konnte das von ihm geschaffene Mischwesen aus Kuh und Schaf nicht überzeugen. Von der Schiege, entstanden aus embryonalen Zellen von Schaf und Ziege, ließ der dänische Klon- und Chimären-Pionier lieber gleich die Finger. Nun erlebt die Chimären-Forschung eine neue, unappetitliche Wendung.

Demnächst könnte der herzhafte Biss in eine Schweinshaxe nicht nur den Gaumen beleidigen, sondern die Polizei auf den Plan rufen. Wird nämlich das europäische Patent EP380646 in die Tat umgesetzt, müsste das Mahl womöglich als kannibalistischer Akt geahndet werden.

Letztes Jahr hat die australische Bio-Tech-Firma Amrad beim Europäischen Patentamt (EPA) ein Verfahren patentieren lassen, das die Kreation von Mischwesen aus Stammzellen von "Menschen, Mäusen, Vögeln (...) oder Fischen" ermöglichen soll. Denkbar wäre also ein M(ensch)-(H)uhn oder ein Schwensch.

Schöpfungen, die Greenpeace nicht schmecken. Daher hat die Umweltorganisation anlässlich einer Revisionskonferenz zum Europäischen Patentübereinkommen diese Woche in München das fragwürdige Patent angeprangert. Auch Greenpeace glaubt nicht, dass Amrad Horrorgeschöpfe halb Mensch, halb Tier erschaffen möchte. Ein Schwein aber mit einer menschlichen Leber für Transplantationen sei schon drin. Und das Organ inklusive Tier drum herum wäre patentrechtlich geschützt.

Einmal mehr geht es um die Grundsatzfrage: Darf Leben patentiert werden? Das EPA gibt sich gelassen: Weder sei das Patent versehentlich erteilt worden, noch habe man den Eindruck, gegen europäisches Recht zu verstoßen. Das verbietet die Erteilung von Patenten, die gegen die "guten Sitten" verstoßen.

Was aber unsittlich ist, definiert jedes Land anders. Während in Deutschland die Chimären-Bildung untersagt ist, geht Großbritannien großzügiger damit um.

Ist aber die Sittenlage in Europa nicht wie beim Verbot des Klonens einheitlich, zieht sich das EPA auf das Patentrecht zurück - und bewilligt.