die zeit: Die Zukunftsszenarien der Nanotechnik-Visionäre haben großen Widerhall in den Medien gefunden. Waren diese Visionen für die Forschung nützlich oder hinderlich?

Roland Wiesendanger: Mit Sicherheit waren sie eher hinderlich. Viele der Propheten werden im wissenschaftlichen Bereich ja auch nicht ernst genommen.

Sie maßen sich da einiges an, immer unter Berufung auf einen sehr großen Physiker, Richard Feynman, der diese Visionen im Bereich der Nanotechnik vorgestellt hat. Aber bei Feynman war eben mehr Substanz dahinter. Feynman war ein Wissenschaftler, der tatsächlich Großes geleistet hat. Es ist natürlich etwas anderes, wenn jemand wie Eric Drexler ohne fundierte Argumente an die Öffentlichkeit geht und damit womöglich technologische Entwicklungen, die viel greifbarer sind, in gewisser Weise blockiert.

Gleichwohl würde ich nicht ausschließen, dass die von Drexler beschriebenen Maschinen eines Tages tatsächlich gebaut werden können.

zeit: Es könnte also sein, dass eines Tages tatsächlich Nanoroboter durch unsere Blutbahnen schwirren?

Wiesendanger: Im Bereich der Nanotechnik ist vieles möglich. Im Moment wird ja daran gearbeitet, funktionale Bauelemente durch das Zusammenfügen von atomaren Einheiten aufzubauen und zu realisieren. Letzten Endes ist nicht völlig ausgeschlossen, dass man zu Einheiten kommt, die roboterartige Funktionen übernehmen können. Vor 1990 hat sich auch niemand vorstellen können, dass man überhaupt atomare Manipulationen mit derartiger Präzision vornehmen kann.

zeit: Wie lange könnte es Ihrer Meinung nach dauern, bis die Forschung Nanoroboter entwickelt hat?