Die englische Theatergruppe, die international am meisten bewundert wird, hat einen französischen Namen: Complicite. Zwischen Paris und New York, Jerusalem und Tokyo gibt es kein wichtiges Festival, auf dem sie nicht gespielt hat

ihre Aufführungen The Street of Crocodiles und The Three Lives of Lucie Cabrol sind legendär. Simon McBurney, der Regisseur der Gruppe, wird mit Angeboten aus aller Welt überschüttet, und er sucht sehr genau aus, welche er annimmt und welche nicht - in letzter Zeit war das viel Film (als Schauspieler, demnächst wohl auch als Regisseur), aber das Theater kam trotzdem nicht zu kurz.

Gleich zwei seiner Arbeiten sind nun in London zu sehen: im Almeida, der in-Bühne, die neue Complicite-Aufführung Light, im riesigen Hammersmith Apollo die neue Show der populären TV-Komikerinnen French & Saunders, die er in Szene gesetzt hat: Live in 2000.

Light ist theatralisierte Prosa. Der Roman des schwedischen Autors Torgny Lindgren erzählt die Geschichte eines mittelalterlichen Dorfes, in dem die Pest wütet und nur sieben Überlebende zurücklässt. Die verlieren durch den Schock Orientierung und Gedächtnis, ihre altertümlich dumpfe Gemeinschaft fällt aus der Ordnung und aus der Zeit. McBurney übersetzt das in eindrucks- und geheimnisvolle Theaterbilder, eine düstere Welt aus Gier und Grauen beschwörend, die archaisch wirkt und fremd und doch für Momente zum Spiegel unserer eigenen wird.

Das Problem ist, wie schon bei der letzten Produktion Mnemonic, der Text: zu viel, zu disparat, zu bedeutungsschwer. Die Stärke von Complicite war immer die Geste, nie das Wort

man macht kein Literaturtheater, sondern eines der Aktionen und Emotionen. Und der alte Trick, einen Erzähler einzuführen, funktioniert diesmal nur bedingt: zum einen, weil es nicht McBurney selbst ist, zum anderen, weil Lindgren Sätze schreibt wie Knüppel, biblisch donnernd und symbolbeladen - die lassen sich gut lesen, aber kaum sprechen.

Ein Mann verlässt das Dorf auf der Suche nach Liebe und kommt zurück mit dem Tod: Nicht eine Braut bringt er mit, sondern ein Kaninchen, und das trägt die große Krankheit in sich. Das Volk, von Puppen dargestellt, die die vermummten Schauspieler an Stäben führen, weiß sich nicht zu helfen: Einer nach dem andern stirbt