So hatte der Komponist Harold Arlen sich das nicht vorgestellt.

Kettengerassel im Flügelinneren. Und dann diese Stimme! "Somewheeeere ouuuver the rainbouuuw ..." - eher ein Heulen als veritabler Gesang. Auch den Text hat man anders in Erinnerung. Zwei Männer streuen Sand ins Getriebe des Great American Songbook, und es knirscht. Was wird hier gespielt? Die beiden Männer sind vom Geist des heiligen Monk getrieben: Monk, der aus der Song-Nichtigkeit Just a Gigolo ein skurriles Kleinod machte. Thelonious dem Kauzigen erweisen die beiden Männer denn auch ihre Reverenz, mit Interpretationen von Round Midnight und Evidence, aus denen die Black Classical Music-Biedermänner lernen könnten, was lebendige Traditionspflege bedeutet. Überall lugt die Jazzgeschichte hervor: hier eine Stride-Piano-Figur, dort ein Bud-Powell-Motiv, ein Hardbop-Schlagzeugmuster.

Doch nicht als blasses Imitat, sondern eingebettet in einen Spiel- und Ideenfluss voller Erratik und Eigensinn. Plötzlich erinnert sich einer auf dem Akkordeon an archetypische Begleitfiguren, dann wieder wähnen wir uns in der Klangwelt von Schönbergs Pierrot Lunaire: Mit großem Sprechgesangspathos werden die Geheimnisse der alten Kuckucksuhr ausgebreitet. Nur wenn Übervater Cecil Taylor dem Pianisten zu lange über die Schulter schaut, merkt man diesen Aufnahmen die späten Siebziger an. Im Booklet ein fotografisches Zeitdokument: Sven- ke Johanssons dürre Beine in kurzen Hosen, Alex von Schlippenbach als Berliner Robert Redford im Khakihemd. Heute, auf dem CD-Cover von Schlippenbach & Johansson: Live Berlin 1976 / Stockholm 1977 (FMP CD 111): Schlippenbach als perfekt gestylter Dandy, Johansson im korrekten Regenmantel. Aus den beiden Männern sind gesetzte Herren geworden.

Ihren Eigensinn haben sie bewahrt.