Wer sein Geld bei Vater Staat deponiert, gilt als risikoscheuer Langweiler. Aber wenn die Börsen Achterbahn fahren, sind Anleihen eine sinnvolle Alternative zum Aktienmarkt. Die Rentenmärkte profitieren derzeit von der Abschwächung der globalen Konjunktur und sinkenden Inflationserwartungen. Günstig sind die Aussichten besonders in den Vereinigten Staaten und in Euroland. Das geht aus einer Umfrage hervor, bei der die ZEIT und das Münchner Forschungsinstitut Südprojekt die Manager von 19 Rentenfonds befragten, die in internationale Anleihen investieren.

Rentenpapiere, wie zum Beispiel Bundesschatzbriefe, garantieren dem Anleger normalerweise einen festen Zinssatz. Nach Ende der Laufzeit erhält er den eingezahlten Betrag komplett zurück. Schon vorher kann er seine Anleihen an der Börse verkaufen, die dort wie Aktien gehandelt werden. Wenn der Kurs über dem festen Nominalwert liegt, macht er Plus. Die Kursschwankungen nutzen auch die Rentenfonds-Manager. Denn Kursgewinne bestimmen, zusammen mit dem Zinssatz der Anleihe, ihre Rendite.

Steigende Kurse erwarten die Experten in den Vereinigten Staaten. Der US-Rentenmarkt profitiert von den Plänen der amerikanischen Regierung, die zu erwartenden Budgetüberschüsse für Rückkäufe von Staatsanleihen zu verwenden und so die Schulden zu senken. Wenn aber der Staat weniger Papiere anbietet oder sie gar zurückkauft, steigen die Kurse der Anleihen. An dem Vorhaben wird sich auch nichts ändern, wenn der neue Präsident feststeht. Denn die hauchdünne Mehrheit der Republikaner im Kongress schränkt die Handlungsfähigkeiten des Staatschefs in jedem Fall ein. Keinem der beiden Kandidaten wird es deshalb gelingen, seine teuren Wahlversprechen einzulösen.

Damit dürfte viel Geld für den Abbau der Staatsschulden übrig bleiben.

Zusätzliche Impulse erwartet Hans-Wilhelm Rapiens, Leiter Rentenfonds bei ADIG-Investment, von der US-Konjunktur: "Das Wachstum hat sich beruhigt, damit sinkt die Inflationsgefahr." Das wiederum treibt die Kurse der umlaufenden Rentenpapiere nach oben. Denn wenn die Teuerungsrate fällt, sind die Anleger bereit, Anleihen auch bei niedriger Verzinsung zu kaufen. Sie müssen nicht befürchten, dass ihr angelegtes Kapital nach Ende der Laufzeit kaum noch etwas wert ist. Weil die Nachfrage also steigt, steigen auch die Kurse.

"Der Euro hat seinen Boden gefunden"

Währungsrisiken drohen nach Meinung der Fondsmanager nicht. Die Chancen, dass der Euro gegenüber dem Dollar aufholt, seien "fundamental eher noch weiter gesunken", so Stefan Schneider von Deutsche Bank Research. Solange die US-Wirtschaft nachhaltig wächst, sei mit einer Trendumkehr nicht zu rechnen.