Das Geld ist das Maß aller Dinge - in Börse, Fußball und Gesundheit. Höchste Zeit, aus dem Medikamentenabsatz den Gesundheitszustand der Nation zu erschließen! Das optimale Datenwerk für diese Analyse liegt just vor: der Arzneiverordnungs-Report 2000.

Im Voraus: Die Tops und Flops in der Rangliste der häufigsten Pillenverschreibungen lassen Böses ahnen. Maximal zugelegt haben im vergangenen Jahr die Thrombozytenaggregationshemmer, das sind Mittel, die die Blutgerinnung hemmen. Auf Platz zwei stehen Mittel gegen Bluthochdruck (+ 10,4 Prozent), Platz drei und vier belegen Gichtmittel (+ 5,4 Prozent) und Lipidsenker (+ 4,9 Prozent). Offenbar geht in Deutschland die Fettlebe um: Gichtanfälle erleiden Menschen, die gern viel Fleisch essen. In deren Blut steigen die ungesunden Lipide (Fette) an, und wer das nicht in den Griff kriegt, der leidet irgendwann unter Bluthochdruck. Trübe Aussichten.

In der Bilanz steckt aber auch Grund zur Hoffnung: Um ganze 18,4 Prozent ging die Verschreibung der Therapeutika gegen Demenz zurück. Folglich muss irgendein heimtückisches Übel von den einstmals verwirrten deutschen Hirnen abgelassen haben.

Zu dick statt zu dumm sind also die Deutschen, das ginge hin, wäre da nicht der rätselhafte Zuwachs in der Rubrik Spezialpräparate. Fantastische 30 Prozent Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr erzielte das Botulinumtoxin.

Offiziell ist das Nervengift zugelassen für die "symptomatische Alternativbehandlung von idiopathischem Blepharospasmus und koexistierenden hemifacialen dystonen Bewegungsabläufen". Das klingt arg - ist es aber nur bedingt. Knapp übersetzt, handelt es sich um einen unangenehmen Tick: Die Lider zucken, die Gesichtsmuskeln spannen. Seit kurzem wird das Mittel auch gegen übermäßige Schweißbildung sowie Spannungskopfschmerzen eingesetzt.

Sehen wir hier die ersten Anzeichen eines Morbus New Economy, ausgelöst durch stundenlanges Starren auf Monitore, während die Börsenkurse Achterbahn fahren? Für einen verlässlichen Gesundheitsstatus, herausgelesen aus der Hausse und Baisse der Pillenverordnungen, fehlt indes die wichtigste Information: Verschreiben Ärzte nur das, was wirklich angezeigt ist, oder entlarven die Statistiken einmal mehr, dass die Doctores mitunter verschreiben, was gerade Mode ist? Verdächtig, dass das Botulinumtoxin auch gegen Falten hilft.