So geistern also die krummen Gurken immer noch durch Europa! Fragt sich, ob die Bestimmungen wirklich so unvernünftig sind. Der langjährige dänische Außenminister Uffe Ellemann-Jensen hat dazu auf zahllosen Versammlungen wie folgt Stellung genommen:

"In Dänemark gab es seit der Jahrhundertwende eine Regel, dass sehr krumme Gurken nicht als Qualitätsgurken verkauft werden dürften. Das ist eine ganz vernünftige Regel zum Wohle der Verbraucher, der Händler und der Produzenten.

Denn wenn man eine Kiste sehr krummer Gurken kauft, kauft man eine Masse Luft. Diese Art von Regeln mit Anforderungen für Qualitätsgurken gab es in allen europäischen Ländern, und weil die Maße für die zugelassene Krümmung in jedem Land verschieden waren, gab es große Erschwernisse für den grenzüberschreitenden Handel mit Qualitätsgurken. Besonders für ein kleines Land wie Dänemark konnte es teuer werden, eine Sortierung für Dänemark, eine für Deutschland herzustellen und so weiter. Deshalb war es völlig in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Binnenmarktes, eine Gemeinschaftsregel zu schaffen."

Natürlich sei es viel leichter, sein Haupt über die dummen Bürokraten zu schütteln. Dabei sei es doch eine Begrenzung der Bürokratie, wenn man aus (damals) zwölf Regeln eine macht.

Harald Hofmann, Bonn Botschafter a. D.