WAS UNTERSCHEIDET EINEN TATORT VON ANDEREN KRIMIS?

Der Tatort zeichnet sich aus durch eine besondere Personenkonzeption. Die Kommissare stehen eindeutig im Mittelpunkt. Aus ihrer - oft sehr persönlichen - Perspektive wird die Geschichte erzählt. Außerdem ist der Tatort durch seine regionale Anbindung bestimmt. Dadurch ist die Reihe sehr vielfältig. In der Auswahl der Stoffe gilt als maßgebliches Kriterium die Geschichte. Die Geschichten des Tatorts sind orientiert an der sozialen und politischen Realität des Landes. Dreißig Jahre Tatort erzählen von dreißig Jahren Deutschland.

Gunther Witte, ehemaliger Leiter der Abteilung Fernsehspiel beim WDR, Erfinder des Tatorts

MUSS ICH EINE BESTIMMTE DRAMATURGIE BEFOLGEN?

Es gibt keinen typischen Tatort. Als wir anfingen, gab es nur Kommissare, die die Tür aufmachen und fragen: Wo waren Sie gestern Abend? Diese unbeteiligten, wissenden Tatort-Kommissare. Wir kamen von der Filmhochschule, fanden alles Scheiße und haben Schimanski als Antithese zu denen entwickelt.

Wenn Schimi sich verliebt, hat das Auswirkungen auf die Ermittlungen. Er ist immer emotional in den Fall involviert. Alles wird aus seiner Perspektive erzählt. Das ist eine wichtige Regel für ein Drehbuch: Die Figuren und das Milieu interessieren mehr als der Mord. Deshalb ist für die Qualität des Drehbuchs nicht der Fall oder der Stoff ausschlaggebend, sondern die Fähigkeit, gute Dialoge zu schreiben und Figuren sensibel zu zeichnen. Dabei ist besonders die Spannung zwischen dem Assistenten und dem Kommissar zu beachten. Jeder der beiden muss eine klare Motivation haben, warum er so und nicht anders handelt und fragt. Für Schimi war eine extrem skeptische Haltung der Obrigkeit gegenüber typisch.

Hajo Gies, Regisseur und Erfinder von Schimanski