Rock war nicht nur krank, Rock war tot, als ihm Mitte der Achtziger sein Heiland erschien. Er kam aus einem kleinen Kaff in Massachusetts, hatte eine Gitarre um den Hals hängen, trug schlabberige Jeans, bunte Hemden und Haare bis zum Hintern. Er redete nicht in Gleichnissen, aber trotzdem verstand ihn niemand, wohl weil er so nuschelte. Wenn er sang, näselte er, zu viel fern sah er auch. Aber er erweckte das Genre von den Toten. J Mascis hieß der Mann, der diese unerhörte Gitarre spielte, Dinosaur Jr. seine Band. Kurz sah es so aus, als würde seine Gefolgschaft sonder Zahl sein. Doch während Rock schon wenig später "Grunge" hieß, mit diesem erfolgreichen Marketingkonzept eine Menge Geld kassiert wurde, Kurt Cobain zum neuen Retter aufstieg und sich bald darauf das Leben nahm, brachte Mascis Platte auf Platte heraus, ohne jemals die Massen zu erreichen, denen seine vor Melodien berstenden Songs durchaus hätten gefallen können. Jetzt das Comeback eines nie Weggewesenen. More Light (City Slang/Virgin) wurde im Alleingang eingespielt, aber veröffentlicht unter dem Namen J Mascis + The Fog - eine simulierte Gefolgschaft. Mascis (Er kommt auch auf Tournee: 30.11. München, 1.12.

Berlin, 3.12. Hamburg, 4.12. Köln) hat sich kaum verändert, nur seine langen Haare sind mittlerweile grau geworden, und man sollte das durchaus bildhaft verstehen. "I've been wastin' life" singt er jetzt, aber musikalisch gibt es nichts zu bedauern. Wieder klingt die Gitarre mächtig und bösartig, zugleich aber freundlich und einschmeichelnd, wieder werden Wände gebaut aus Verzerrerlärm und Folk-Wohlklang. J Mascis rettet den Rock ein zweites Mal - nur, dass der es in diesen Tagen gar nicht nötig gehabt hätte.