Max More wird nicht sterben - und dann einfach tot sein. Er wird warten.

Eingefroren in flüssigem Stickstoff, bei minus 196 Grad. Nach seinem Ableben werden Spezialisten sein Gehirn in Gewahrsam nehmen und es mit Frostschutzmitteln behandeln. In einem Stickstofftank könnte Mores Gehirn Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte überdauern. Bei solch tiefen Temperaturen finden keine Verwesungsprozesse mehr statt. Das lehrt die Cryonik, gewissermaßen die Lehre vom richtigen Einfrieren - und vom richtigen Auftauen, was ja die schwierigere Aufgabe ist. Denn dabei wird unweigerlich Gewebe zerstört.

Fachkundig gekühlt, wird Max More auf bessere Zeiten warten und auf eine überlegene Technik. Eines Tages, davon ist er überzeugt, wird man die Eingefrorenen wiederauftauen. Dann schwärmen Armeen von winzigen Robotern in sein Gehirn aus, reparieren Zellen und stellen neurale Verbindungen wieder her. Atom für Atom werden sie Max More restaurieren, wie eine in Abertausende Teile zerplitterte Skulptur aus vergangener Zeit.

More und seine Frau Natasha sind eben vom Gym zurückgekehrt. In einem Strandcafé in Marine del Rey, Los Angeles, besprechen sie die technologischen Voraussetzungen für ewiges Leben. More ist ein sommersprossiger 36-jähriger Mann irischer Abstammung, mit Pferdeschwanz und hauchdünn rasiertem Bärtchen.

Unter seinem knappen T-Shirt schwellen mächtige Muskeln. Er liebe das Leben und seinen Körper, sagt er. Seine Frau Natasha, 50, ist Künstlerin. Auch sie träumt von der Verbesserung des Menschen und von einem längeren Leben dank neuer Technik. "Wir müssen begreifen lernen, welche Möglichkeiten vor uns liegen", sagt sie.

Der Philosophie-Doktor Max More führt eine Gruppe von radikalen Zukunftsoptimisten an. Sie nennen sich Extropianer. Die Extropianer hoffen, eines Tages die Grenzen des Menschseins überwinden zu können. Sie glauben nicht an Gott, sie glauben an Nanotechnik.

Kein anderes Forschungsgebiet, vielleicht mit Ausnahme der Gentechnik, weckt derart hochfliegende Hoffnungen, ja Sehnsüchte wie die Nanotechnik.