Wieder einmal überrascht die internationale Schulvergleichsstudie Timss mit neuen Erkenntnissen über das deutsche Bildungssystem. Und wieder einmal müssen alle, Linke wie Konservative, Vorurteile revidieren und neu über die Schule nachdenken.

Gestern legte eine Forschungsgruppe um den Berliner Erziehungswissenschaftler Jürgen Baumert den Abschlussbericht des letzten Teils der Third international Mathematics and Science Study (Timss) vor. Jener Studie, die den deutschen Schülern 1997 in Mathematik und den Naturwissenschaften nur Mittelmaß bescheinigte im Vergleich zu den Leistungen ihrer Altersgenossen aus mehr als 40 Ländern.

Die gestern präsentierten Ergebnisse betreffen jedoch weit mehr als nur die Leistungen der Schüler in der Mathematik und den Naturwissenschaften.

Staunen etwa dürfte hervorrufen, was die Forscher über die gymnasiale Oberstufe herausgefunden haben. Das gängige Vorurteil lautet: Die Schüler mogeln sich dort mit leichten Fächern wie Erdkunde und Sport zum Abitur.

Zudem bemängeln Kritiker, dass es durch die Wahlmöglichkeit der Schüler keinen gemeinsamen Standard gebe, keinen verbindlichen Kanon der Allgemeinbildung.

Doch von Beliebigkeit der Wahl oder einer Konzentration auf sogenannte leichte Fächer kann keine Rede sein, zeigt die Studie. Als die Gewinner der Oberstufe werden die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik und Biologie ausgemacht, die am häufigsten als Leistungskurse gewählt werden. Auf nur sieben Fächer entfallen laut Timss 65 Prozent aller Leistungskurskombinationen - kaum ein anderes europäisches Land, so betonen die Wissenschaftler, könne eine so hohe Standardisierung vorweisen.

Für viele überraschend auch ein anderer Befund der Bildungsforscher: Elite braucht Masse! Die Leistungsspitze eines Altersjahrgangs ist in denjenigen Ländern besser, die vielen Schülern den Weg zum Abitur öffnen. Offenbar führt eine zu starke Vorauswahl dazu, dass Talente übersehen werden und keine Chance haben, die Leistungselite zu verstärken.