Leserbriefschreiber Barth aus Ismaning mutmaßt, ich hätte mich neulich über ein FAZ-Porträt geärgert oder gewundert, das mich als (Sprach-)Analysten würdigt, der da dem auch immer beliebteren Psychoanalysten folge und einhergehe.

Gewundert schon

geärgert aber nicht mal so sehr. Wohl finde ich nach wie vor den alten Analytiker sinniger und den verschnarchten Stilisten passabler als den jetzt vermehrt anhängigen Stylisten. Aber für ärgerlicher, zumutungsaufdringlicher als derartige fast rührende multikulturfashionable Röhrereien und Schmökereien erachte ich die noch immer wahllos walkende Dummdeutsch-Inflation von Wörtern wie spannend, fesselnd, aufregend zu inhaltslosen Renommierfeuilletonismen

noch schlimmer die Invasion von krass und grell und schrill

und am allerschlimmsten ist, seit zirka 1995, der Einsilber pur. Nämlich in der Zweiwortkombination: Nach Spannung pur, Sex pur, Fußball pur, Abstiegskampf pur, Natur pur, Wellness pur, Fernsehen pur, Power pur und Papst pur (Verlagsreklame für eine neue Wojtyla-Biografie, der Teufel soll sie alle holen) blieb es jetzt dem auch sonst hervorragenden Damenverblödungsblatt Gala Life & Style vorbehalten, auch noch die Lust pur auszukreischen, und damit kommt ja wohl die Sache auf sich selber zurück, auf die gute alte pure Lust auf irge ndetwas halt -

- die Identität bleibt sich selber treu und identisch, das Weltenrad des Ixion hat sich nur fast lautlos eine Schwachsinnsspeiche fortgedreht.