Ein Mausklick öffnet den Blick in den Maschinenraum des Umweltschutzes.

Rote Punkte im elektronischen Koordinatensystem stehen für Angebote, grüne Dreiecke für Kaufanfragen. An diesem Tag verlangt jemand nach 45 000 Tonnen zu je 5,5 Dollar - grünes Dreieck. Ein anderer bietet 50 000 Tonnen zu 7 Dollar an - roter Punkt. Anderthalb Millionen Tonnen sind bereits gehandelt worden. Der letzte Deal ging für 5,99 Dollar pro Tonne über die Bühne.

Auf dem elektronischen Marktplatz wird mit einer Ware der besonderen Art gehandelt: mit Lizenzen zum Ausstoß von Kohlendioxid, jenem unsichtbaren Stoff, der das Klima wärmer werden lässt. Die CO2-Börse soll für weniger des Treibhausgases sorgen - und zwar, Hokuspokus, möglichst billig, möglichst sogar mit Gewinn. Zugelassen zum Handel mit den Ökozertifikaten ist allerdings bisher nur eine privilegierte Minderheit: Spitzenmanager von BP.

Während Diplomaten aus mehr als 160 Ländern in Den Haag über den Klimaschutz reden, das Vorhaben womöglich zerreden, hat sich der weltweit drittgrößte Ölkonzern längst auf den Weg gemacht - mit einer Variante von Klimaschutz, die aller Voraussicht nach Schule machen wird: Emissions Trading (ET) heißt das, womit BP dem Klima, seiner Kasse und auch seinem Image Gutes tun will.

Das neuartige Ökoinstrument hat in der grünen Gemeinde bereits Kontroversen ausgelöst. Reinhard Loske, der umweltpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, findet den Emissionshandel "interessant, modern und vor allem sehr effizient". Zustimmung kommt auch von Unternehmensberatern.

Pricewaterhouse Coopers beispielsweise bricht eine Lanze für den CO2-Lizenzhandel à la BP - Makler und Broker wittern ein Milliardengeschäft.

Doch, merkwürdige Allianz, der Bundesverband der Deutschen Industrie beäugt das Treiben der Ölmanager ebenso argwöhnisch wie viele Umweltschützer. Man stünde, gab der Deutsche Naturschutzring kürzlich zu Protokoll, dem Instrument "traditionell extrem skeptisch gegenüber". Der Grund: Freikauf vom Umweltschutz und Ablasshandel - fast unausrottbar kleben diese Makel am Emissionshandel.