Ich will das Problem des Antisemitismus keinesfalls verniedlichen. Aber die Zahl von 12 Millionen ist nicht stimmig. Der Autor geht von einer Einwohnerzahl von 80 Millionen Deutschen aus. Davon seien 15 Prozent Antisemiten. Diese 15 Prozent machten 12 Millionen aus.

Die 80 Millionen Deutschen kommen aber nur zusammen, wenn ich Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit einbeziehe. Aber werden Deutsche etwa als Antisemiten geboren? Das ist doch wohl nicht der Fall! Wenn überhaupt, müsste man die 15 Prozent auf die Anzahl der deutschen Erwachsenen beziehen. Mit derartigen Rechnungen macht man es den "Rechten" zu leicht, die Tatsache des vorhandenen Antisemitismus insgesamt anzuzweifeln.

Dieter Steffmann, Kreuztal

Nimmt man alle Kernaussagen von Herrn Korn zusammen, dann ergibt sich folgendes Bild: Der Antisemitismus in Deutschland nimmt langsam, aber stetig ab, und das seit Jahrzehnten

rechtsextreme Parteien haben in deutschen Parlamenten keine Chance, und die Zahl rechtsextremer Gewalttaten hat sich seit Jahren eingependelt, wenn auch auf deutlich höherem Niveau als vor der Wiedervereinigung. Vor diesem Hintergrund ist nicht ganz verständlich, warum für Herrn Korn die 15 Prozent, die heute noch antisemitisch denken und fühlen (wo kommt diese Zahl eigentlich her?) "Anlass zur Sorge" sind. Natürlich wäre es schön, wenn es nicht mehr 15, sondern, sagen wir, 5 Prozent wären, aber auch das ist keine Utopie, sondern nur eine Zukunftsvision: Extrapoliert man den von Herrn Korn gezeichneten Trend, nimmt also der Antisemitismus weiterhin jedes Jahr um drei Prozent ab, dann kommen wir in etwa 20 Jahren auf diesen Wert. Wir müssen einfach nur so weitermachen wie bisher.

Adrian Dunskus, München

Völlig richtig schildert Herr Korn das Problem, nur scheint es mir kein "Nachleben nationalsozialistschen Gedankengutes", sondern ein Erwachen. Als Hauptschullehrerin habe ich das Ohr am Boden und prophezeie, dass schreckliche Dinge auf uns zukommen, die wohl auch bei der derzeitigen Diskussionslage, die sich beim Thema "Leitkultur" offenbart, nicht mehr in den Griff zu bekommen sein werden. Deutschland ist ein soziales Pulverfass, nur will es offenbar keiner wahrnehmen.