Es hat geklopft. Frau Nachbar öffnet die Tür. Aber da steht statt des Postboten der Sensenmann. Große Kapuze, blanke Knochen. Übellaunig keift die Nachbarin: "Nein danke - wir sterben nicht!" Der Cartoon illustriert pietätlos, doch prägnant, wohin es mit uns gekommen ist seit dem mittelalterlichen Memento mori. Angst und gleichzeitig mangelnder Respekt vorm Tod sind logische Folge einer Achtlosigkeit, die zuallererst dem Leben gilt. Also zeigt last minute, die Sonderausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur (bis 28. Februar 2001), nur am Rande einige extravagante Urnen, befragt aber stattdessen gründlich die Lebenden, was sie mit Sterben und Tod zu tun haben. Wenig. Deshalb kommen Profis zu Wort (Pathologe, Altenpfleger, Bestatter), aber auch Experten, die eben erst welche geworden sind (das Waisenkind, die Witwe). Karge, akustisch gestaltete Räume geben Gelegenheit zum Zuhören, ohne dem Besucher Nachdenklichkeit einzuprügeln.

Sachlich erläutert ein Jesuitenpater, welche Lücke der Wegfall christlicher Trauerrituale reißt. Betrübt schaut ein Fotograf zu, wie sein "Großvater geht". Drei Etagen und 300 Katalogseiten (58 Mark) Zurüstung zur Unsterblichkeit? Weinen oder Contenance üben? Die Ausstellungsmacher haben einen intellektuellen Zugang gefunden, ohne zu dozieren. Sie bewegen, ohne gefühlsduselig zu sein. Ultima latet. Verborgen bleibt trotzdem noch genug.