die zeit: Frau Ministerin, Volkes Stimme sagt, es kommen zu wenige Verbrecher hinter Gitter. Sie wollen künftig in einigen Fällen Freiheitsstrafen durch gemeinnützige Arbeit ersetzen, also noch weniger Täter wegsperren. Warum dieser Gegentrend?

Herta Däubler-Gmelin: Es geht um Gerechtigkeit und vernünftigen Strafvollzug.

Das heutige System, das für Erwachsene bei leichteren Delikten Geldstrafen und für schwerere Delikte Gefängnis vorsieht, stößt längst an seine Grenzen und führt oft zu absurden Ergebnissen.

zeit: Zum Beispiel?

Däubler-Gmelin: Ich halte es für falsch, jemanden ins Gefängnis zu stecken, der für ein leichteres Delikt zu Geldstrafe verurteilt wurde, aber nicht zahlen kann. Das ist ungerecht und trägt zur problematischen Überfüllung unserer Gefängnisse bei.

zeit: Öffnete man diesen Häftlingen die Zellentür, würden die Anstalten dennoch aus den Nähten platzen. Gibt es zu wenige Plätze für Verbrecher?

Däubler-Gmelin: Es ist falsch, überflüssig und zu teuer, so viele Haftplätze wie heute durch so große Zahlen von so genannten Ersatzfreiheitsstrafen zu blockieren. Im Strafvollzug muss Platz sein für Straftäter mit schwereren Straftaten, vor denen die Bevölkerung geschützt sein muss.