Mit einer mit mir nicht abgesprochenen, ja gegen meinen Wunsch über meinen Artikel zur Bundeskulturpolitik formulierten Überschrift Zentralismus schadet nicht hat die ZEIT eine Kulturdebatte zugespitzt, die im Wesentlichen auf der interpretatorischen Eigenwilligkeit ihrer eigenen Redaktion gründet.

Die Redaktion der ZEIT platziert eine reißerische Überschrift über meinen Text und ergänzt sie durch eine ebenfalls ungenaue Unterzeile. Grotesk wird es aber, wenn Robert Leicht seine nicht unbeträchtlichen verfassungsrechtlichen Kenntnisse anhand genau jener redaktionsgemachten Überschrift vorstellt, statt sich mit den Argumenten des Artikels selbst auseinander zu setzen, die fernab des Titels entfaltet werden. In meinem ZEIT-Beitrag hatte ich nichts anderes getan, als die Berechtigung einer Bundeskulturpolitik auf der Grundlage der Verfassung darzulegen. Bisher war eben jener Begriff einer "Bundeskulturpolitik" mehr oder weniger tabu. Darum ging es.

Die föderative Struktur des Grundgesetzes und seine historische Genese habe ich geschildert und ihre unvergleichbaren positiven kulturellen Auswirkungen gewürdigt. Besonderen Ärger im Lande hat allerdings die von der ZEIT gewählte Unterzeile Die Kulturhoheit der Länder ist Verfassungsfolklore verursacht.

Dem Autor Leicht hätte es aber auffallen müssen, dass mein Artikel etwas anderes sagte: "Der Begriff Kulturhoheit kommt im Grundgesetz nicht vor. Er ist Verfassungsfolklore." Genauso ist es. Auch Robert Leicht wird keine Fundstelle im Grundgesetz nachweisen können. Sehr wohl aber weiß ich, und auch dies kam im Artikel klar zum Ausdruck, dass dieser Begriff eine kulturpolitische Realität beschreibt, deren Opern- und Bühnenpracht von mir ausdrücklich im Vergleich zu anderen Nationen herausgestellt wird.

Dass indes unter Berufung auf jene "Kulturhoheit" allerlei Initiativen des Bundes auf kulturpolitischem Feld von manchen Ländern (nicht allen) öffentlich angezweifelt werden und der Begriff auch dazu dient, bekannte Schwerfälligkeiten des föderativen Systems zu beschönigen, ist ebenso unbestritten.

Bundespolitischer Zentralismus war weder das Thema meines Artikels, noch bin ich sein Verfechter.

Dr. Michael Naumann Staatsminister für Kultur und Medien, Berlin