Das Rezept klingt bestechend einfach. Kollege A stöhnt über zu viel Arbeit und hätte gern mehr Freizeit. Kollege B ist arbeitslos und will nicht nur zu Hause sitzen. Die beiden teilen sich den Job, und alle sind zufrieden - auch Gerhard Schröder, der seinen Wählern vor zwei Jahren versprach, die Arbeitslosigkeit spürbar zu senken.

Mit dem Gesetz zur Teilzeitarbeit stellt die Regierung jetzt die alte Idee der Gewerkschaften auf die Probe, die vorhandene Arbeit auf mehr Köpfe zu verteilen. Jeder Beschäftigte hat das Recht, seine Stundenzahl zu reduzieren, sofern nicht betriebliche Gründe dagegen sprechen. Eine Million Menschen könnte so zu Lohn und Brot finden, glaubt Arbeitsminister Riester. Die Bilanz wird ihn und seinen Kanzler enttäuschen.

Schon heute arbeiten über sechs Millionen Menschen in Deutschland Teilzeit, gut 19 Prozent der Beschäftigten. In den vergangenen fünf Jahren ist ihre Zahl um eine Million gestiegen, auch ohne Gesetz. Viele Unternehmen bieten längst solche Modelle an. Das Spektrum reicht von der Halbtagsstelle über die Viertagewoche bis hin zu einer Stunde weniger pro Woche, die für längeren Urlaub aufgespart wird. Doch meist ist nur ein Bruchteil der Belegschaft interessiert. Denn wer sich für mehr Freizeit entscheidet, muss mit weniger Geld auskommen. Vor allem in Berufen mit niedrigerem Einkommen ist Teilzeitarbeit deshalb unbeliebt. Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte würde gern sogar mehr arbeiten - und mehr verdienen.

Folgerichtig sieht die Regierung ein weit größeres Potenzial für ihr Teilzeitgesetz bei den gut verdienenden Fach- und Führungskräften. Rund ein Drittel dieser Gruppe möchte gern weniger arbeiten, ergab eine Umfrage des Instituts für Personalwesen der Hamburger Bundeswehrhochschule. Am liebsten wäre ihnen meist eine Verringerung um vier bis acht Stunden. Das könnte sich theoretisch zu neuen Jobs summieren.

Bei näherem Hinschauen sieht das anders aus. Befragt nach ihrer gegenwärtigen Arbeitszeit, kommen diese qualifizierten Kräfte auf einen Durchschnitt von 46 Stunden. Sie möchten also lediglich - oft unbezahlte - Überstunden vermeiden.

Das durchzusetzen, riskieren sie nicht. Sie fürchten um ihre Karriere. Denn immer noch gilt unterschwellig die Regel: Wer viel Zeit am Arbeitsplatz verbringt, der leistet viel.

Dieses ungeschriebene Gesetz sorgt dafür, dass besonders Männer lieber die volle Zeit arbeiten. Ehrgeiz und Erfolg gelten nun mal als wichtige Attribute. Nur wenn es das Image nicht mehr aufpoliert, über furchtbar viel Arbeit zu klagen, werden sich mehr Männer für Teilzeit entscheiden. So lange aber läuft das neue Gesetz bei ihnen ins Leere - erst fünf Prozent der männlichen Beschäftigten arbeiten weniger Stunden, meist auch noch vom Betrieb verordnet -, und daran dürfte sich so bald nichts ändern.