Tut mir leid, wenn ich noch nicht ganz da bin. Letzte Nacht ist es verdammt spät geworden. Ich war auf einer Party, genauer gesagt: auf der Premierenparty von Hamlet, meinem neuen Film. Es war sehr nett. In meinem Hotelzimmer bin ich dann sofort eingeschlafen. Seltsames Zeug habe ich da geträumt. Ich träumte von meinen Tanten und irgendwelchen obskuren Verwandten, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. Sie plapperten die ganze Zeit vor sich hin. Aber was sie erzählen wollten, konnte ich nicht richtig verstehen. Stört es, wenn ich mir erst mal von den Früchten nehme?

Als Junge träumte ich lieber tagsüber. Ich träumte von tausend Dingen. Ja, vielleicht war ich wirklich ein Traumtänzer, und vielleicht hat das auch damit zu tun, dass sich meine Eltern früh scheiden ließen. Ich musste mir bald meine eigene Welt erschaffen. Ich wollte ein Künstler sein. Einer wie Jack Kerouac, der sich anscheinend gut damit auskannte, wie ein möglichst freies und verrücktes Leben funktioniert

wie man das Leben in ein Fest verwandelt, das niemals aufhört.

Besonders geliebt habe ich On the Road. Nur wenige Dinge haben mich tiefgreifend verändert

dieses Buch gehört auf jeden Fall dazu. Nachdem ich es gelesen hatte, wollte ich unbedingt schreiben. Und außerdem Schauspieler werden. Und Maler. Und ein Verführer. Am besten alles auf einmal. Allerdings habe ich früher auch gedacht, dass ich niemals älter als 20 werden würde. Ich habe es ebenfalls nicht für möglich gehalten zu heiraten. Und als romantischer Junge, der ich damals war, konnte ich mir zwar vorstellen, unglaublich viele Kinder zu haben. Doch ich war sicher, dass ich sie gar nicht alle kennen lernen könnte - weil ich nicht den Überblick hätte, welche von mir wären und wo sich all die Mütter herumtrieben.

Vor kurzem bin ich 30 geworden. Mein Geburtstag verlief ziemlich unspektakulär. Ich war mit meiner zweijährigen Tochter in einem kleinen Park in New York spazieren. Dann sind wir Mittagessen gegangen. Und zur Feier des Tages haben wir uns zusammen Sesamstraße angeschaut. Den Abend verbrachte ich mit meiner Frau alleine. Meine Tochter heißt Maya Ray, meine Frau Uma Thurman. Ich glaube, ich war an diesem Tag so glücklich wie nie.

So blöd das jetzt klingen mag, aber meiner Tochter Maya verdanke ich eine Menge. Maya Ray, das ist übrigens der Name der Mutter Buddhas. Er bedeutet so viel wie Spiegelungen des Himmels. Man kann den Himmel nicht sehen