Anlass ist mein Besuch auf der Isle of Skye, einer schottischen Insel, die auch Mitte Oktober vieles zu bieten hat (insbesondere die gleißendsten Regenbögen der Welt). Wenn der Whisky-Kenner »Skye« hört, sagt er wie ein Pawlowscher Hund »Talisker«. So heißt der Whisky, der dort entsteht. Empfehlenswert ist der Besuch der Distillery und in Sonderheit der Blick in deren Gärtank, in dem die gelbe Brühe blubbert. "It´s alive", meinte ein Besucher.

Talisker schmeckt nach Jodsalz und Torf, hat Süße und Kraft. Der Torfgeschmack hat zwei Ursachen: Die gewässerte und gekeimte Gerste wird über Torffeuer getrocknet. Danach wird sie gemahlen und sodann mit Heißwasser zu Brei gerührt - und dieses Wasser ist seinerseits torfgeschwängert: Es gibt Stellen auf Skye, wo es braun aus dem Wasserhahn rinnt, denn Skye hat viel, viel Torf.

Wenn Sie's noch torfiger mögen, bestellen Sie mal Lagavulin.

In dieser Woche auf Skye habe ich an die 30 Whiskies probiert und dabei frühere Whisky-Proben Revue passieren lassen. Talisker hatte bei mir stets gewonnen. Diesmal auch. Es gibt verschiedene Arten Talisker; der meistverkaufte, 10 Jahre alte (das bedeutet: der jüngste im Blend [1] ist mindestens 10 Jahre alt!) ist der schönste. In Großbritannien kostet die 0,75-Flasche gut 75 Mark oder mehr, hier jedoch bekommen Sie den Stoff für 60 Mark.

Besonders lecker waren auch die folgenden: Highland Park (von den Orkney Islands: Sirupduft, substratreich), Cragganmore (würzig, mit Süße), Knockando (rauchig), Oban (fruchtig, erinnert an Quellwasser), Balvenie (blumig, leicht). Alle hier beschriebenen Whiskies finden Sie in vielen Bars in Deutschland sowie im Spezialhandel, etwa bei Scoma (Am Bullhamm 17, in 26441 Jever).

Die Küche auf Skye kann ganz o.k. sein, hin und wieder sogar lecker (frischer Fisch), doch niemals so fein, dass etwas dagegen spräche, vor dem Essen, während des Essens und danach Talisker zu trinken. Als Begleiter empfiehlt sich Guinness extra cold.

Ach ja: Tun Sie kein Eis und keinen Sprudel in den Whisky. Ein bisschen stilles Wasser darf hinein (nicht für mich, bitte). Und natürlich nicht kippen. Sondern: Gegen's Licht halten und bewundern - aus 20 cm Entfernung den Duft erfassen - aus 5 cm Entfernung inhalieren - ein wenig in den Mund tun und schön verteilen - hinunterrinnen lassen. So hat es mir mal ein Cognac-Experte erklärt.