Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will im geplanten Fortpflanzungsmedizingesetz den Import menschlicher embryonaler Stammzellen nicht verbieten. Das erklärte die zuständige Abteilungsleiterin des BMG Ulrike Riedel auf dem ZEIT-Forum "Regenerative Medizin" anlässlich der MEDICA 2000 in Düsseldorf.
Mediziner und Wissenschaftler hoffen, mit solchen Zellen bisher unheilbare Erkrankungen lindern und zerstörte Gewebe oder Organe ersetzen zu können. "Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis der erste Patient von dieser Technik profitiert", gab Otmar Wiestler, Neuropathologe von der Univeristät Bonn zu bedenken. Dennoch sprach er sich dafür aus, die Forschung in Deutschland zu fördern. Wiestlers Wissenschaftlerteam gilt als führend in der Stammzellforschung in Deutschland. Die Bonner Neuroforscher hoffen mit Hilfe embryonaler Stammzellen eine Therapie für Hirnerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson entwickeln zu können.

Claus Bartram, Humangenetiker von der Universität Heidelberg, forderte eine weitergehendere Lockerung der gesetzlichen Verbote bei der Embryonenforschung. Er hält den Import, verbunden mit einem Verbot, solche Zellen in Deutschland zu produzieren, für eine "... nicht haltbare Doppelmoral. Wir müssen nicht nur importieren, sondern die Zellen auch selbst herstellen." Bartram gehört einer Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft an, die noch bis Ende dieses Jahres eine Stellungnahme zum Stammzellimport vorlegen will.
  Dagegen sprach sich Hubert Hüppe, Mitglied der CDU/CSU Bundestagsfraktion für ein Verbot der Forschung an embryonalen Zellen aus. "Nur weil andere Staaten diese Arbeiten zulassen, muss sich Deutschland doch nicht am niedrigsten ethischen Standard orientieren. Entweder ist ein Embryo ein menschliches Wesen, dann darf man ihn nicht antasten. Wenn er aber kein menschliches Wesen ist, ist alles erlaubt."

  Das Fortpflanzungsmedizingesetz soll bis Ende kommenden Jahres verabschiedet werden. "Bis dahin", sagt Ulrike Riedel, "ist noch eine breite Debatte notwendig, die bereits begonnen hat." Das Positionspapier des Bundesgesundheitministeriums sei jetzt den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag sowie den zuständigen Landesministerien zugeleitet worden. Frau Riedel machte deutlich, dass das BMG einen Paradigmenwechsel in der Einstellung gegenüber künstlichen befruchteten Embryonen ablehnt. Embryonen sollten auch in Zukunft in Deutschland nicht zu fremdnützigen Zwecken verwendet werden dürfen, also etwa, um daraus embryonale Stammzellen zu gewinnen. Ein Importverbot von im Ausland hergestellten embryonalen Stammzellen sei jedoch aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich.