DIE ZEIT: Sie haben mit 43 Jahren einen ungewöhnlichen Karriereschritt vollzogen und den Springer-Konzern für ein Medien-Start-up, die Produktionsfirma Brainpool (Wochenshow, TV total) verlassen. Gehorchten Sie dabei der Not oder Ihren Wünschen?

CLAUS-DIETER GRABNER: Ich war ja vorher 15 Jahre bei Bauer und dann nur 15 Monate beim Springer-Verlag. Ich wusste schnell: Hier willst du nicht alt werden. Und dann ist das bei Springer auf der politischen Ebene nicht ganz so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Das hat aber nicht an mir gelegen, sondern an größeren Umwälzungen.

ZEIT: Sie waren das Opfer größerer politischer Umwälzungen?

GRABNER: Wäre Claus Larass Vorstandsvorsitzender geworden, hätte er manche Positionen sicher anders besetzt. Aber davon abgesehen, war das eigentlich nicht so ganz meine Welt. Ich glaube nicht, dass man in Konzernzentralen wirklich etwas Neues entwickeln kann.

ZEIT: Kommen wir mal zu den Inhalten. Sie haben vorwiegend im Jugendkultursegment gearbeitet und von den Kellys bis Britney Spears schon manchen Trend kommen und gehen sehen. Können Sie heute noch einschätzen, wie lange so ein Trend anhält?

GRABNER: Ich habe glücklicherweise einen ganz durchschnittlichen Geschmack. Was mir gefällt, gefällt meistens auch ganz vielen Leuten. Und bei allen Trendwechseln gibt es ja auch immer mehr Wiederholungen. Besorgniserregend ist allerdings, dass die Medien zu stark auf die Unterhaltungsindustrie reagieren. Und die macht den Fehler, blindlings alles zu fördern, was Erfolg hat. Jeder Trend, der vorsichtig blüht, wird da platt gewalzt.

ZEIT: Wird so was nicht gerade durch die Brainpool-Strategie der Wertschöpfungskette begünstigt, wo Anke Engelke auch ihre Serie haben muss und Stefan Raab nun ein Magazin?