DIE ZEIT: Frau Merkel, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie von Mischwesen aus Mensch und Schwein hören und davon, dass Wissenschaftler sich auf solche Chimären Patente erteilen lassen?

ANGELA MERKEL: Ich war natürlich schockiert und habe mich gefragt, ob das wirklich wahr ist. Dann finde ich aber auch, dass man über Forschung nicht immer anhand der abschreckendsten Beispiele reden sollte; das polarisiert die Diskussion, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Statt der Horrorszenarien könnte man ja ebenso oft die medizinischen Verheißungen ins Auge fassen.

ZEIT: Als Umweltministerin haben Sie die Ängste vor der Kernenergie für übertrieben gehalten. Sehen Sie das bei der Biotechnologie ähnlich?

MERKEL: Als Umweltministerin habe ich mich vor allem dagegen gewehrt, dass bei den Risiken mit zweierlei Maß gemessen wurde: Das Verheizen von Kohle galt als harmlos, der Betrieb von Kernkraftwerken als gemeingefährlich. So geht es nicht. Daher halte ich heute auch die unterschiedliche Bewertung von grüner und roter Gentechnik für falsch. Was riskant ist, sollte verboten werden, was unbedenklich ist, sollte erlaubt werden - egal, ob es sich nun um landwirtschaftliche oder medizinische Anwendungen handelt.

ZEIT: Kommen die Vorbehalte gegen die grüne Gentechnik nicht einfach daher, dass die Verbraucher nicht einsehen, wozu sie genmanipulierte Lebensmittel brauchen?

MERKEL: Für Deutschland, wo wir genug Nahrungsmittel haben, mag das stimmen. Weltweit aber, wenn es um die Bekämpfung des Hungers geht, stimmt es nicht. Wie wenig wir uns übrigens aus den internationalen Zusammenhängen ausklinken können, zeigt sich jetzt beim Verbot der Tiermehlverfütterung. Schnell stehen wir dann selbst vor der Notwendigkeit, gentechnisch veränderte Sojabohnen zu verfüttern.

ZEIT: Soll es zum Beispiel leichter werden, genmanipulierten Mais in der Bundesrepublik auszusäen?