Vielleicht werden wir bald alle so reisen: eine Kamera im Gepäck, ein Drehbuch im Kopf und die Fremde als Schauplatz vor Augen - so kann es kommen, wenn das Equipment immer leichter und billiger wird und die Begeisterung über das Medium Film unter Touristen weiter wächst. Aber auch dann werden längst nicht alle Videoproduktionen einen so freimütigen Charme ausstrahlen wie Susanne Salonens Reisebericht Monsoonregen.

Zuerst wirkt das unspektakuläre Werk wie ein Amateurvideo. Das Bild wackelt, jemand läuft nah vor der Kamera vorbei, und im Off-Kommentar der Autorin entstehen unmotivierte Pausen. Gerade fragt man sich, warum man dennoch gern zuschaut, als kunstvolle Überblendungen und raffiniert rhythmisierte Sequenzen einem klarmachen, dass hier eine Filmerin das Mittel des Understatements einsetzt. Sie hat die Reise selbst gemacht, sie erzählt davon, und sie will auch mal ins Stocken geraten dürfen. Geläufige ästhetische Standards werden nebenbei bedient oder auch nicht, das ist alles nicht wichtig. Susanne Salonen will, dass wir sehen, was sie gesehen hat, und dass wir hören, welchen Sinn sie dem Gesehenen gab. Dafür verzichtet sie auf Brillanz. Und gibt uns Unmittelbarkeit.

Sie ist herumgekommen. Thailand, Kambodscha, Vietnam, Hongkong heißen die Stationen ihrer Reise. Vor Ort hat sie gejobbt und die Leute interviewt, mit denen sie es zu tun hatte oder die ihre Nachbarn waren. Wir lernen einen Mönch kennen, der sie das Meditieren lehren wollte, eine Tauchlehrerin, die ihr Jawort unter Wasser gab, und einen Bauern, der zehn Minen auf seinem Acker fand. Ja, die finnische Filmerin traut sich auch nach Kambodscha und dort zur Schädelstätte, zu den Killing fields, und sie spricht mit einem Landsmann, der ein Roter Khmer war, als viele es waren und es dienlich schien, einer zu sein.

Das Unverbundene dieser Episoden, deren roter Faden allein die Reiseroute Susanne Salonens bildet, macht den Reiz des Filmes aus. Sie hält die strenge Subjektivität ohne Ausrutscher durch, das ruhige, aber doch spannungsreiche on the road teilt sich von der ersten bis zur letzten Einstellung mit. Salonen erzählt unausgesetzt - aber nicht sich einmischend, sondern eher abgeklärt aus dem Off -, sie weiß nie etwas besser als die Bilder. Dank dieser Konsequenz lebt und atmet der Film - durchaus im Stile eines gelungenen Urlaubsvideos. Was ihm dennoch Aufnahme ins Reich der professionellen Werke verschafft, das sind die Bildkompositionen und die strikte Perspektive auf das Exemplarische. Die verschiedenen Sprachen übrigens stören nicht, sondern gehören zur Herausforderung des Reisens. Auch wenn man nichts versteht, kommt man mit.