Marcus Bierich ist tot. Einer jener seltenen Topmanager, die sich nicht nur um ihre Erfolgsbilanz sorgen, sondern die auch den Inhalt und die geistige Zielsetzung ihres Unternehmens für entscheidend wichtig halten, ist von uns gegangen. Ich kannte Marcus seit seiner Studienzeit. Er studierte Naturwissenschaften und Philosophie, denn er musste immer allem auf den Grund gehen. Eigentlich wollte er die Universitätslaufbahn einschlagen, weil ihn die Beziehung zu Bertrand Russell und René König sehr faszinierte, andererseits lockte ihn die Praxis. Wir haben gemeinsam viel über dieses Problem geredet und fanden schließlich beide, das Richtige sei, in die Industrie zu gehen und die geistigen und künstlerischen Interessen nebenher zu pflegen. Er absolvierte eine Banklehre, war in vielen Unternehmen, auch im Ausland, tätig und wurde schließlich nach leitenden Posten in verschiedenen Branchen an die Spitze von Bosch berufen. Lange bevor moderne Führung und Flexibilität Leitmotive der Industrie wurden, war er bereits von der Massenherstellung zu einem schnell reagierenden System übergegangen. Auch Auslandspräsenz pflegte er schon zu einer Zeit, als noch niemand das Wort Globalisierung kannte. Über aller Aktivität aber hat er nie seine vielfältigen Interessen vernachlässigt. Er hielt Vorlesungen an der Universität Bochum, war Ehrensenator der Tübinger Universität, Vorsitzender der Internationalen Buchakademie, des Schiller-Nationalmuseums und des DeutschenLiteraturarchivs in Marbach. Er wird in der obersten Riege der Manager sehr fehlen.